Reportage
So viele Migranten im Mittelmeer wie nie zuvor
Auf der Mittelmeerroute zwischen Libyen und Italien kommen derzeit so viele illegale Migranten wie nie zuvor, berichtet die EU-Grenzschutzagentur Frontex. Es kommen täglich bis zu 4.500 Flüchtlinge übers Mittelmeer, und die Route wächst weiter.

Laut der EU-Grenzschutzagentur Frontex ist die Zahl der illegalen Migranten, die über das zentrale Mittelmeer kommen, stark angestiegen. Die Schlepper starten mit ihren maroden Booten in Libyen und bringen diese möglichst weit in Richtung Europa. Ab dort sind dann die italienische Küstenwache oder die Bundeswehr für den Weitertransport verantwortlich.
Mittelmeer verzeichnet neue Rekorde
„Die zentrale Mittelmeerroute ist so stark frequentiert wie noch nie“, zitiert die FAZ den Frontex-Chef Fabrice Leggeri. Allein am vergangenen Donnerstag – an einem einzigen Tag – kamen über diese Route 4.500 illegale Migranten, berichtet DW. Auf keiner anderen Route kommen dieses Jahr so viele illegale Migranten in die EU wie von Libyen nach Italien. Leggeris Prognose:
„Wenn die Migrationsströme aus Westafrika in Richtung Libyen anhalten, dann müssen wir mit etwa 300.000 Menschen rechnen, die in diesem Jahr aus Westafrika in die nördlichen Maghreb-Staaten fliehen, um dann weiter nach Europa zu reisen. Die Route wächst.“
Neuer Startpunkt Ägypten
Zudem entwickle sich auch Ägypten zum einem wichtigen Startpunkt für Schlepperboote nach Europa. Die illegale Einreise in die EU von dort übers Meer sei besonders gefährlich. Sie dauere oft mehr als zehn Tage. Diese Route werde vor allem von Migranten aus Westafrika und vom Horn von Afrika genutzt, wo Somalia, Äthiopien, Dschibuti und Eritrea liegen.
„In Eritrea gibt es Verfolgung und eine brutale Diktatur, diese Menschen sind schutzbedürftig“, sagte Fabrice Leggeri. Und aus Senegal, Gambia, Elfenbeinküste und Niger flöhen viele aus wirtschaftlicher Perspektivlosigkeit.
Balkanroute ist dicht
Im letzten Jahr gelangten viele illegale Migranten über die Türkei nach Griechenland und von dort aus weiter nach Mitteleuropa. Vor allem durch die Abriegelung der so genannten Balkanroute, aber auch infolge des Türkei-Deals kommen in letzter Zeit kaum noch illegale Migranten auf diesem Weg nach Mitteleuropa durch.
Fabrice Leggeri lobte die Pläne der EU-Kommission, Migranten mehr Möglichkeiten zur legalen Einreise in die EU zu geben. Dies sei richtig nicht nur zum Schutz der Migranten, sondern auch, um die Einreise von Terroristen und Kriminellen zu verhindern. Denkbar seien etwa „ Sonderflüge aus den Flüchtlingscamps im Libanon, Türkei oder Jordanien“ in die EU.


