Reportage
Malediven: Das „offizielle Partnerland“ der ITB Berlin 2016 ist IS-Hochburg

Weiße Sandstände, türkisblaues Wasser, tropische Temperaturen. So kennt man für gewöhnlich die Malediven im Indischen Ozean nahe der Südspitze Indiens. Die Malediven sind ein Traumziel vieler Urlauber und Flitterwöchner. Auf der Internationalen Tourismus-Börse ITB in Berlin vom 9. bis 13. März 2016 sind die Malediven diesmal „offizielles Partnerland“. Doch der islamische Inselstaat hat eine gefährliche, dunkle Seite.
Mehr als 200 Bewohner der Malediven sollen sich schon der Terrormiliz IS angeschlossen haben. Berechnet auf die Gesamtbevölkerung von 345.000 Einwohnern sind das so viele wie aus keinem anderen Land. Zum Vergleich: Aus Deutschland mit knapp 81 Millionen Einwohnern sind es 446 IS-Freiwillige.
Die Menschenrechtlerin und Regierungskritikerin Shahindha Ismail vom Maledivischen Demokratie Netzwerk berichtete dem ARD-Weltspiegel: „Es gibt Ausbildungslager für Erwachsene, sogar für Kinder, betrieben von Extremisten, die sie auf einsame Inseln bringen, um sie dort zu indoktrinieren, das dauert fünf Tage bis eine Woche lang.“

Unlängst gingen IS-Sympathisanten in der Hauptstadt Malte (150.000 Einwohner) offen auf die Straße, auf den Plakaten standen Sätze wie „Die Scharia wird die Welt beherrschen“.
Es gilt die Scharia
Offiziell nennt sich der Inselstaat Republik, doch es gilt die Scharia, das Gesetz des Islam. Auch auf offener Straße ist die Radikalisierung zu spüren, das Bikiniverbot auf öffentlichen Plätzen ist nur ein Beispiel. Die Scharia duldet auch keine anderen Religionen neben sich, die Mittagsgebete füllen die Moscheen, und die maledivische Regierung herrscht autoritär.
Als vor kurzem ein ARD-Weltspiegel-Team Inselbewohner nach den Gründen für den regen Zulauf zum IS befragen wollte, war das offenbar nicht erwünscht. ARD-Reporter Markus Spieker (45) flog mit seinem Kamerateam auf die Malediven – und nach wenigen Stunden schon wieder raus! Die Insel-Regierung stoppte seine Dreharbeiten, drohte ihm sogar mit Untersuchungshaft, wenn er nicht sofort die Malediven verlasse.
Die Regierung der Malediven verhängte gegen die Journalisten ein zehnjähriges Einreisevervot.
In einem Radiointerview mit der ARD verteidigte die Außenministerin Dunya Maumoon vor wenigen Tagen die Maßnahme: „Sie wollten einige Leute gezielt als Extremisten darstellen, um dann zu sagen: Guckt her, so sind die Malediven.“
Und das würde ja nicht zu diesen paradiesischen Bildern passen. Bildern, die zwar nicht lügen, aber wohl nicht die ganze Wahrheit sagen.
Woher kommt der IS-Zulauf?
Aisha Hussain Rasheed, Koranexpertin auf den Malediven, erklärt: „Manche hier sympathisieren mit dem Islamischen Staat, weil sie frustriert sind über die Unterdrückung im eigenen Land. Auch einige unserer Prediger fördern den IS mit ihren Reden.“
Aber vielleicht ist das Motiv auch Geld. Eine verschleierte Mutter berichtete dem Weltspiegel: Ihr Sohn hing lange Zeit ziellos herum, bis er plötzlich religiös wurde: „Ich ahnte Schlimmes, als er immer wieder zu einem radikalen Mullah ging. Inzwischen ist er beim IS und ich habe ihn gebeten, zurück zu kommen. Stattdessen schickt er mir Geld, ungefähr vierhundert Dollar (363 Euro – Anmerkung der Redaktion) pro Monat.“


