Reportage
Kurort-Wirt erteilte Flüchtlingen Hausverbot: „Die schauen irgendwie anders“

Im österreichischen Kurort Althofen in Kärnten leben rund 5.000 Einwohner und momentan 28 Flüchtlinge. Übers Jahr kommen 160.000 Kurgäste. Peter Josef Moser ist dort seit 30 Jahren Gastronom. In der von Villen umsäumten Kreuzstraße 7 betreibt der das Cafe Lilli. Das Lokal hat täglich von 7 bis 2 Uhr morgens geöffnet. Doch seit Karfreitag bedient Moser keine Flüchtlinge mehr. Kein Trinken, kein Essen, Hausverbot.
„Es geht nicht mehr. Meine Gäste haben Angst. Damit die Lage nicht eskaliert, muss ich Flüchtlingen Lokalverbot erteilen“, sagte Moser dem KURIER aus Wien.
Das pauschale Lokalverbot sprach er öffentlich über Facebook aus, die Kellnerin verteilt die gedruckte Fassung im Lokal, sobald ein Flüchtling es betreten möchte:

Eine Woche zuvor habe es einen konkreten Vorfall gegeben, sagte Moser dem KURIER:
„Samstagabend gab es im Lokal Livemusik, wir hatten auch zwei Flüchtlinge hier. Wie sie die Frauen anstarren. Sie ziehen sie mit ihren Blicken regelrecht aus, wenn sie auf die Toilette gehen“, berichtete Moser. Er habe ihnen gesagt, sie mögen sich wegdrehen. Doch am Montag habe sich die Szene wiederholt. „Die Stimmung gegen Flüchtlinge ist negativ. Ich will keinen Wirbel, ich will nicht, dass hier alles kurz und klein geschlagen wird“, sagt er. In Althofen komme man mit den „unterschiedlichen Kulturen, die nicht zusammenpassen, nicht klar.“ Er sei selbst mit einer Ungarin verheiratet, folglich keinesfalls ausländerfeindlich. Wie will Moser das Lokalverbot umsetzen? „Flüchtlinge erhalten keine Getränke und kein Essen.“
Althofens Bürgermeister Alexander Benedikt (Liste für Alle) überrascht diese Maßnahme.
„Mir sind keinerlei Zwischenfälle mit Asylwerbern bekannt“, sagte Benedikt, im Hautpberuf stellvertretender Postenkommandant der Polizeiinspektion Althofen. 28 Asylwerber seien aktuell in der Stadt untergebracht, hauptsächlich Familien. Das Verteilerquartier im eineinhalb Kilometer entfernten Containerdorf aus 80 Containern auf dem ehemaliben Gut Krumfelden von Guts-Besitzer Klaus Auer sei derzeit nicht voll besetzt.
Verdacht: Verhetzung
Im oberösterreichischen Bad Ischl gab es Mitte Januar diesen Jahres einen ähnlichen Fall: Da wurde ein Lokalverbot für eine Bar ausgesprochen, die als „asylantenfrei“ angepriesen wurde. Gegen die Besitzerin gab es ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Verhetzung, das eingestellt wurde.
Inzwischen gab es auf Facebook einen Sturm der Entrüstung gegen Peter Moser.
Nun scheint die Facebook-Seite des Cafes Lilli sogar gelöscht und lediglich noch eine geschlossene Gäste-Gruppe vorhanden zu sein. Wie ein Screenshot offenbar zeigt, ist der Wirt eher uneinsichtig. Er schrieb: „Liebe Falschversteher, Text- und Sinnverdreher! Bis heute Abend habt ihr noch die Möglichkeit, mich zu beschimpfen, dann wird das Ganze gelöscht und blockiert. Seid stolz auf euch, ihr habt euer Ziel erreicht, wir müssen zusperren. Zwar nur bis Dienstag, aber besser wie nix.“

Peter Moser betreibt auch noch das Cafe Venezia in seinem Heimatdorf Kappel am Krappfeld (2.005 Einwohner) ein paar Kilometer weiter und möchte auch noch am Sportplatz in Althofen ein Lokal aufmachen. Nach der Matura habe er von seinen Eltern zunächst ein Tabak-Geschäft in Kappel am Krappfeld übernommen, erzählte er der Kleinen Zeitung, „weil dann die Supermärkte kamen, habe ich es in ein Café umgewandelt.“ Mit dem Café „Lilli“ verbindet ihn eine Jugenderinnerung: „Dort war ich, wenn ich die Schule geschwänzt habe, und ich hab‘ immer gesagt: Wenn ich einmal ein Café pachte, dann das“.


