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Reportage

Kurort-Wirt erteilte Flüchtlingen Hausverbot: „Die schauen irgendwie anders“

Von Thomas Breithaupt · · 4 Min. Lesezeit

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Weil sie irgendwie ander schauen, werden Flüchtlinge im österreichischen Kurort Althofen (jährlich 160.000 Gäste) in Kärnten nicht mehr im Cafe am Platz Lili nicht mehr bedient, Wirt Peter Josef Moser erteilte Hausverbot (Foto: Youtube/ORF)
Weil sie irgendwie ander schauen, werden Flüchtlinge im österreichischen Kurort Althofen (jährlich 160.000 Gäste) in Kärnten nicht mehr im Cafe am Platz Lili nicht mehr bedient, Wirt Peter Josef Moser erteilte Hausverbot (Foto: Youtube/ORF)
Weil sie irgendwie ander schauen, werden Flüchtlinge im österreichischen Kurort Althofen (jährlich 160.000 Gäste) in Kärnten nicht mehr im Cafe am Platz Lili nicht mehr bedient, Wirt Peter Josef Moser erteilte Hausverbot (Foto: Youtube/ORF)
Weil sie irgendwie anders schauen, werden Flüchtlinge im österreichischen Kurort Althofen (jährlich 160.000 Gäste) in Kärnten im Cafe am Platz „Lilli“ nicht mehr bedient, Wirt Peter Josef Moser erteilte Hausverbot (Foto: Youtube/ORF)

Im österreichischen Kurort Althofen in Kärnten leben rund 5.000 Einwohner und momentan 28 Flüchtlinge. Übers Jahr kommen 160.000 Kurgäste. Peter Josef Moser ist dort seit 30 Jahren Gastronom. In der von Villen umsäumten Kreuzstraße 7 betreibt der das Cafe Lilli. Das Lokal hat täglich von 7 bis 2 Uhr morgens geöffnet. Doch seit Karfreitag bedient Moser keine Flüchtlinge mehr. Kein Trinken, kein Essen, Hausverbot.

„Es geht nicht mehr. Meine Gäste haben Angst. Damit die Lage nicht eskaliert, muss ich Flüchtlingen Lokalverbot erteilen“, sagte Moser dem KURIER aus Wien.

Das pauschale Lokalverbot sprach er öffentlich über Facebook aus, die Kellnerin verteilt die gedruckte Fassung im Lokal, sobald ein Flüchtling es betreten möchte:

Der Boss Peter Moser postete sein Hausverbot in Englisch auf seier Facebook-Seite (Foto: Facebook)
Der Boss Peter Moser postete sein Hausverbot in Englisch auf seiner Facebook-Seite (Foto: Facebook)

„Liebe Flüchtlinge, es tut uns sehr leid, aber es ist uns nicht möglich, Euch ein Getränk zu geben. Viele unserer Gäste sind bereits wirklich wütend über Euch und uns, viele von ihnen haben Angst und fühlen sich nicht wohl, wenn ihr hier in der Bar seid. Deswegen müssen wir uns um unsere Gäste kümmern und können euch nicht erlauben, hier in dieser Bar zu bleiben. Der Boss“.

Auf Nachfrage der Kleinen Zeitung aus Kärntens Hauptstadt Klagenfurt am Wörthersee erklärte der Wirt, dass er auch Einheimischen, die weibliche Gäste zu sehr „anstarren“ und „anglotzen“ Hausverbot erteilen würde, aber: „Die Flüchtlinge, die schauen irgendwie anders.“

Eine Woche zuvor habe es einen konkreten Vorfall gegeben, sagte Moser dem KURIER:

„Samstagabend gab es im Lokal Livemusik, wir hatten auch zwei Flüchtlinge hier. Wie sie die Frauen anstarren. Sie ziehen sie mit ihren Blicken regelrecht aus, wenn sie auf die Toilette gehen“, berichtete Moser. Er habe ihnen gesagt, sie mögen sich wegdrehen. Doch am Montag habe sich die Szene wiederholt. „Die Stimmung gegen Flüchtlinge ist negativ. Ich will keinen Wirbel, ich will nicht, dass hier alles kurz und klein geschlagen wird“, sagt er. In Althofen komme man mit den „unterschiedlichen Kulturen, die nicht zusammenpassen, nicht klar.“ Er sei selbst mit einer Ungarin verheiratet, folglich keinesfalls ausländerfeindlich. Wie will Moser das Lokalverbot umsetzen? „Flüchtlinge erhalten keine Getränke und kein Essen.“

Althofens Bürgermeister Alexander Benedikt (Liste für Alle) überrascht diese Maßnahme.

„Mir sind keinerlei Zwischenfälle mit Asylwerbern bekannt“, sagte Benedikt, im Hautpberuf stellvertretender Postenkommandant der Polizeiinspektion Althofen. 28 Asylwerber seien aktuell in der Stadt untergebracht, hauptsächlich Familien. Das Verteilerquartier im eineinhalb Kilometer entfernten Containerdorf aus 80 Containern auf dem ehemaliben Gut Krumfelden von Guts-Besitzer Klaus Auer sei derzeit nicht voll besetzt.

Verdacht: Verhetzung

Im oberösterreichischen Bad Ischl gab es Mitte Januar diesen Jahres einen ähnlichen Fall: Da wurde ein Lokalverbot für eine Bar ausgesprochen, die als „asylantenfrei“ angepriesen wurde. Gegen die Besitzerin gab es ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Verhetzung, das eingestellt wurde.

Inzwischen gab es auf Facebook einen Sturm der Entrüstung gegen Peter Moser.

Nun scheint die Facebook-Seite des Cafes Lilli sogar gelöscht und lediglich noch eine geschlossene Gäste-Gruppe vorhanden zu sein. Wie ein Screenshot offenbar zeigt, ist der Wirt eher uneinsichtig. Er schrieb: „Liebe Falschversteher, Text- und Sinnverdreher! Bis heute Abend habt ihr noch die Möglichkeit, mich zu beschimpfen, dann wird das Ganze gelöscht und blockiert. Seid stolz auf euch, ihr habt euer Ziel erreicht, wir müssen zusperren. Zwar nur bis Dienstag, aber besser wie nix.“

Wegen der kritischen Kommentare hat Peter Moser sein Cafe Lilli über Ostern gleich mal ganz geschlossen, wie er auf Facebook postete (Foto: Facebook)
Kritiker bezeichnete Peter Moser auf Facebook als Falschversteher und Sinnverdreher (Foto: Facebook)

Peter Moser betreibt auch noch das Cafe Venezia in seinem Heimatdorf Kappel am Krappfeld (2.005 Einwohner) ein paar Kilometer weiter und möchte auch noch am Sportplatz in Althofen ein Lokal aufmachen. Nach der Matura habe er von seinen Eltern zunächst ein Tabak-Geschäft in Kappel am Krappfeld übernommen, erzählte er der Kleinen Zeitung, „weil dann die Supermärkte kamen, habe ich es in ein Café umgewandelt.“ Mit dem Café „Lilli“ verbindet ihn eine Jugenderinnerung: „Dort war ich, wenn ich die Schule geschwänzt habe, und ich hab‘ immer gesagt: Wenn ich einmal ein Café pachte, dann das“.

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Thomas Breithaupt

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