Reportage
Klaus von Dohnanyi: SPD derzeit nicht wählbar
Der frühere Hamburger SPD-Bürgermeister Klaus von Dohnanyi hält seine Partei derzeit für nicht wählbar. Nach 60 Jahren in der SPD wolle er vielleicht gar nicht wählen gehen. Grund sei die fehlende Distanz des Spitzenkandidaten Martin Schulz von der Linken.

Hamburgs früherer Bürgermeister Klaus von Dohnanyi (SPD) hält den Spitzenkandidaten seiner Partei Martin Schulz aktuell für nicht wählbar. Daher will er bei der Bundestagswahl am 24. September möglicherweise auf die Stimmabgabe verzichten.
„Ich will nicht, dass Deutschland eine rot-rot-grüne Bundesregierung bekommt“, sagte Klaus von Dohnanyi im Interview mit der WELT. In allen Wahlumfragen liege die Linke vor den Grünen, was noch gefährlicher sei. Denn die Linke könnte dann den Außen- oder den Finanzminister stellen.
Das wäre der Ruin! Ich könnte Martin Schulz also so nicht wählen – aber er hat ja noch Zeit, Klarheit zu schaffen. Rot-Rot-Grün nicht auszuschließen war ein schwerer Fehler zulasten der SPD.
Als Spitzenkandidat müsse man bereit sein, eine Machtoption zu opfern, sagt von Dohnanyi. Er kritisiert die Linke etwa dafür, dass sie „neoliberale Politik“, Konkurrenz und Haushaltsdisziplin für „Massenarbeitslosigkeit“ verantwortlich macht.
„Was für ein Quatsch!“, so der frühere Hamburger Bürgermeister weiter. Deutschland habe so wenige Arbeitslose wie seit 20 Jahren nicht mehr. „Wer diese Linke in die eigene politische Nähe rückt, erweckt doch kein Vertrauen mehr.“
Noch habe Martin Schulz Zeit, sich von der Linken zu distanzieren. „Sonst gehe ich vielleicht gar nicht wählen – nach 60 Jahren in der SPD!“
Zwar gebe es gerade im Osten auch pragmatische Linken-Politiker. Doch man müsse die Partei „gären lassen“, bis sie sich wie einst die Grünen zwischen ihrem realen und ihrem fundamentalistischen Flügel entscheide.
Ein Parteiprogramm gegen „Wettbewerb“? Es gibt doch keine Freiheit ohne Konkurrenz. Wer sich in der Globalisierung nicht auf harten Wettbewerb einstellt, landet in der DDR.


