Reportage
Zentralrat der Juden warnt vor der AfD
Der Zentralrat der Juden in Deutschland warnt vor der AfD. Die Rechtspopulisten machten Stimmung gegen Muslime und Eliten, sagt Zentralrats-Chef Josef Schuster. Früher oder später seien dann aber auch die Juden dran.

Ende Oktober hatte der Berliner Bischof Markus Dröge es als eine als eine „Christenpflicht“ bezeichnet, den Thesen der „Rechtspopulisten“ und „Menschenfeinde“ von der AfD zu widersprechen. Doch nicht nur die Führer der Evangelischen Kirche, sondern auch der Zentralrat der Juden in Deutschland warnt vor der AfD.
Auf dem jüdischen Gemeindetag 2016 in Berlin hat Zentralrats-Präsident Josef Schuster alle Juden dazu aufgerufen, ihre Stimme gegen den Rechtspopulismus zu erheben. Die AfD gewinne in Deutschland immer mehr an Zuspruch, zitiert ihn ZEIT ONLINE. Die Partei setze auf Spaltung und Ausgrenzung.
Zentralrat der Juden warnt vor der AfD
Unter dem „Deckmäntelchen der Israel-Freundschaft“ versuche die AfD, auch in der jüdischen Gemeinde Stimmen zu gewinnen. Davon dürften sich die Juden in Deutschland aber nicht blenden lassen, so der Zentralrats-Chef. „Wenn Stimmung gemacht wird gegen Muslime oder sogenannte Eliten, dann sind früher oder später auch wir Juden gemeint.“
Zwar kritisiert Josef Schusters die AfD für ihren Umgang mit Muslimen. Doch wie die AfD so betrachtet auch er selbst die Massenzuwanderung nach Deutschland als eine Gefahr für die Freiheit in Deutschland. Schon im letzten Jahr schrieb er dazu einen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel.
Darin schilderte er die Sorgen vieler Juden im Hinblick auf die Massenzuwanderung aus Kulturen, „in denen der Hass auf Juden und die Intoleranz ein fester Bestandteil sind“. Der Zentralrat der Juden forderte damals von der Politik, die Zuwanderung zu begrenzen. Diese Forderung kam ursprünglich von der AfD.
Josef Schuster besorgt wegen Rechtsextremismus
Zudem zeigte sich der Zentralrats-Chef besorgt darüber, dass die Zahl der rechtsextremistischen Gewalttaten in Deutschland ansteige. Das gesellschaftliche Klima werde insgesamt rauer. Das Verständnis für Religiosität und Religion gehe zurück.
„Wir erwarten als Juden in Deutschland ja gar nicht, geliebt zu werden. Aber wir wollen respektiert werden“, sagt Schuster. Es stehe jedem frei, Israels Regierung zu kritisieren. Aber hemmungslose Hetze und verletzende Kommentare im Internet dürften nicht zunehmen.
Auch der israelische Botschafter in Deutschland, Yakov Hadas-Handelsman, wertete auf dem Gemeindetag antisemitische Tendenzen als ein grundsätzliches Alarmsignal. Ein Angriff auf eine Minderheit sei immer auch ein Angriff auf die ganze Gesellschaft.
Zum Gemeindetag mit dem Motto „Ein Dach – eine Familie“ werden bis Sonntag rund 1.200 Juden aus ganz Deutschland erwartet. Das letzte Treffen dieser Art liegt schon drei Jahre zurück, es fand ebenfalls in Berlin statt.


