Reportage
Ökonomen planen die Rente mit 73 Jahren
Die Rente mit 73 Jahren ist nötig, um den demografischen Wandel zu stemmen, sagen die Ökonomen vom Institut der Deutschen Wirtschaft. Männern bleiben dann im Schnitt noch sechs Jahre Rente.

Die Deutschen müssen sich darauf einstellen, dass sie künftig erst mit 73 Jahren in Rente gehen können, sagen die Ökonomen vom Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) mit Sitz in Köln. Denn nur auf diese Weise bleibe das Rentensystem finanzierbar.
Heute kommen in Deutschland rund drei Beitragszahler auf einen Rentner. Im Jahr 2050 sind wegen des demografischen Wandels nur noch 1,5 Beitragszahler auf einen Rentner, es sei denn, die Deutschen arbeiten deutlich länger.
Ökonomen fordern Rente mit 73
Laut den Plänen des IW, die der Welt exklusiv vorliegen, soll das Renteneintrittsalter im Jahr 2030 bei 69 Jahren liegen und im Jahr 2035 bei 71 Jahren. Ab dem Jahr 2041 könnte es dann bei 73 Jahren konstant gehalten werden.
Nach diesen Plänen würden die Deutschen nicht mehr viel Zeit im Ruhestand verbringen. Denn ein heute 40 Jahre alter Mann besitzt laut aktueller Sterbetafel eine Lebenserwartung von 79 Jahren. Ihm blieben also noch sechs Jahre Rente. Frauen gleichen Alters hätten im Schnitt immerhin noch zehn Jahre Rente.
Damit würde die durchschnittliche Rentendauer unter das Niveau von 1960 zurückfallen, als Männer knapp zehn Jahre staatliche Altersbezüge erhielten und Frauen immerhin fast elf Jahre. Aktuell liegt der Wert für Männer im Schnitt bei 19,3 Jahren, für Frauen bei sogar bei 21,4 Jahren.
Aktueller Stand ist die Rente mit 67
Laut den geltenden Plänen wird Deutschland von 2024 bis 2029 schrittweise die Rente mit 67 Jahren einführen. Arbeitnehmer ab dem Jahrgang 1964 können demnach künftig erst mit 67 Jahren in Rente gehen.
Ein früherer Rentenbezug ist ab dem 63. Lebensjahr zwar auch weiterhin möglich, wird aber wie bisher mit einem Abzug bei der Rente geahndet. Für jeden Monat, den man früher in die Rente geht, wird diese um 0,3 Prozent gekürzt.
Stärkste Rentenerhöhung seit 23 Jahren
Die Große Koalition aus Union und SPD hat zuletzt eine sogenannte Lebensleistungsrente beschlossen. Diese soll die Altersbezüge bei jenen aufstocken, die trotz langer Beitragszahlungen nicht genügend Geld haben, um ihren Lebensabend zu bestreiten.
Zudem erhalten Deutschlands Rentnern im Juli die stärkste Rentenerhöhung seit 23 Jahren. Die Renten werden im Westen um 4,25 Prozent steigen, im Osten sogar um 5,95 Prozent. Dabei erhalten die Rentenkasse schon jetzt jährlich rund 86 Milliarden Euro aus dem Bundeshaushalt. Bis 2020 werden die Zuschüsse voraussichtlich bei mehr als 100 Milliarden Euro pro Jahr liegen.
Um einen Zusammenbruch der Staatsfinanzen oder drastische Rentenkürzungen zu vermeiden, müsste das heutige Verhältnis von drei Beitragszahlern auf einen Rentner konstant bleiben. Deshalb sollen die Deutschen laut IW-Berechnungen ab 2041 bis zu einem Alter von 73 Jahren arbeiten.
Selbst wenn ein Verhältnis von nur 2,2 Arbeitnehmern auf einen Rentner reichen sollte, müsste das Renteneintrittsalter drastisch steigen. Dann dürften die Deutschen ab 2036 erst mit 69 Jahren in den Ruhestand gehen und ab 2045 mit 70 Jahren.
Vorbilder sind Mexiko und Wolfgang Schäuble
Als Vorbild für die IW-Pläne könnte Mexiko dienen. Zwar liegt dort das gesetzliche Renteneintrittsalter bei 65 Jahren. Doch um über die Runden zu kommen, müssen die Männer bis 73 arbeiten und die Frauen sogar bis 75.
Auch der 74-jährige Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble denkt noch lange nicht an einen Ruhestand. Er der Chef der Jungen Union Paul Ziemiak hatten im April bereits ein Renteneintrittsalter von 70 Jahren gefordert. Doch auch das reicht offenbar noch nicht.


