Berlin Journal

Magazin · Berlin

Reportage

Italiener holen 1.000 Migranten an einem Tag

Von Thomas Breithaupt · · 2 Min. Lesezeit

Teilen: X · E-Mail

Italienische Küstenwache Migranten
Die italienische Küstenwache hat die Aufgabe, Migranten nach Europa zu holen. (Screenshot: YouTube)

Die italienische Küstenwache hat am Freitag circa 1.000 Migranten im Mittelmeer aufgegriffen und nach Italien geholt. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) sagte, die Migranten sollten wieder zurück nach Nordafrika.

Italienische Küstenwache Migranten
Die italienische Küstenwache hat die Aufgabe, Migranten nach Europa zu holen. (Screenshot: YouTube)

Am Freitag hat die italienische Küstenwache circa 1.000 Menschen von sinkenden Schiffen im Mittelmeer aufgenommen und nach Europa geholt. Seit dem Flüchtlingsdeal der EU mit der Türkei ist die Fluchtroute aus Libyen nach Italien eine der Hauptrouten für Migranten mit dem Ziel Europa.

Doch die Fahrt auf den meist überfüllten Booten ist nicht ungefährlich. Laut UNHCR sind im vergangenen Jahr 5.022 Menschen im Mittelmeer ertrunken, davon etwa 90 Prozent auf der Route von Libyen nach Italien. Nach Berechnungen der Ärzte ohne Grenzen ist im letzten Jahr jeder 41. Migrant bei der Bootsüberfahrt nach Italien ums Leben gekommen.

Die meisten Migranten, die in Libyen aufbrechen, kommen aus Nigeria, Eritrea, Sudan und Gambia, schreibt Pro Asyl. Etwa ein Sechstel von ihnen seien Kinder. Die meisten von ihnen kommen ohne Begleitung.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) hat sich diese Woche erneut dafür ausgesprochen, auf dem Mittelmeer aufgegriffene Migranten zurück nach Nordafrika zu bringen. Der Chef der Ärzte ohne Grenzen, Florian Westphal, kritisierte den Vorschlag des Ministers als ignorant.

Die sieben Internierungslager in der libyschen Hauptstadt Tripolis, wohin die auf dem Mittelmeer abgefangenen Migranten gebracht werden, seien völlig überfüllt. „Die Bedingungen dort sind unfassbar“, zitiert Bild Florian Westphal.

In manchen Lagern hätten die Gefangenen weniger als einen halben Quadratmeter Platz. Zudem gebe es oft nicht genug Nahrung und sauberes Trinkwasser. Die geretteten Menschen berichteten von extremer Gewalt und Unsicherheit sowie von Menschenhandel, Erpressung, Misshandlung, Zwangsarbeit, Vergewaltigung und Zwangsprostitution.

Auch der EU-Abgeordnete Arne Lietz ist besorgt über die Situation der Migranten: „Libyen ist für viele Flüchtlinge ein Gefängnis. Sie sind drinnen und kommen nicht raus“, sagte der SPD-Politiker.

Comments

comments

Berlin · Arne Lietz · Ärzte ohne Grenzen · Eritrea · erneut · Europa · Florian Westphal · Gambia · Italien · Küstenwache · Libyen · Migranten · Migration · Mittelmeer · Nigeria · Sudan · Thomas de Maizière · Trinkwasser · Tripolis · UNHCR

Weiterlesen

Alle Beiträge →

Newsletter

Berlin und die Wirtschaft in einem Brief

Die wichtigsten Geschichten aus Berlin, Deutschland und der Wirtschaftswelt — kompakt im Postfach.

Jederzeit abbestellbar. Kein Spam.