Reportage
Führende Politiker wünschen zweite Amtszeit von Joachim Gauck

Spitzenpolitiker von CDU, CSU, SPD und Grünen versuchen, den parteilosen Bundespräsidenten Joachim Gauck (76) dazu zu bewegen, sich noch einmal für weitere fünf Jahre wählen zu lassen. Dies würde allen Beteiligten in der aktuellen Asylkrise eine schwierige Suche nach einem neuen Kandidaten ersparen.
„Ich würde mir wünschen, dass Joachim Gauck für eine zweite Amtszeit zur Verfügung steht“, sagte CSU-Chef Horst Seehofer dem SPIEGEL. Der Bundespräsident habe mit seinen „ausbalancierten, klugen Aussagen“ bewiesen, dass er der richtige Mann im Schloss Bellevue ist.
Mit dieser Ansicht steht der CSU-Chef aus Bayern nicht allein. Denn offenbar befürwortet auch Angela Merkel (CDU) eine zweite Amtszeit für Joachim Gauck. „Das würde uns viele Probleme ersparen“, heißt es aus dem Bundeskanzleramt.
Und auch SPD-Chef Sigmar Gabriel hat Joachim Gauck bereits zum Weitermachen aufgefordert. Im derzeit angespannten Klima möchte die Koalition offenbar keinen Streit über einen neuen Kandidaten riskieren.
„Er übt das Amt des Bundespräsidenten auf ganz hervorragende Weise aus“, sagt der hessische Ministerpräsident und stellvertretende CDU-Chef Volker Bouffier.
Auch Grüne sind für Joachim Gauck
„Wir Grüne haben ihn beim ersten Mal unterstützt. Wir werden es wieder tun“, sagte Cem Özdemir dem SPIEGEL. Mit ihm wünscht sich also auch einer der beiden Grünen-Chefs, dass Joachim Gauck im Schloss Bellevue verbleibt. Denn dieser fülle das höchste deutsche Staatsamt mit Würde, Weitsicht und Gelassenheit aus, so Cem Özdemir.
Die Wahl des nächsten Bundespräsidenten durch die Bundesversammlung erfolgt am 12. Februar 2017 in Berlin. Dies hat kürzlich Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) in einer amtlichen Mitteilung festgelegt. Doch die Amtszeit des Ostdeutschen endet offiziell erst am 17. März 2017.
Bislang waren die Spitzen der Koalition davon ausgegangen, dass der parteilose Joachim Gauck aus Altersgründen nicht noch einmal antreten will. Doch nun hoffen sie, dass er seine Meinung ändert, wenn der öffentliche Druck groß genug wird. Noch er hat sich nicht zu einer erneuten Kandidatur geäußert.


