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Reportage

Müntefering: „Mit 600 Euro Rente muss man nicht arm sein“

Von Thomas Breithaupt · · 2 Min. Lesezeit

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Nach Ansicht des früheren SPD-Chefs Franz Müntefering muss man mit 600 Euro Rente nicht arm sein, etwa wenn der Partner eine höhere Rente hat. Um länger arbeiten zu können, sollten Müllmänner rechtzeitig den Job wechseln.

Bereits 2013 hat der frühere Bundesarbeitsminister und SPD-Vorsitzende Franz Müntefering (76) den Bundestag verlassen. Doch der Vater der Rente mit 67 hat noch immer viel zu tun, etwa als Vortragsreisender in Sachen Demografie und Alterssicherung.

„Nur weil jemand auf nur 600 Euro Altersrente kommt, muss er ja nicht arm sein“, sagte er der Süddeutschen Zeitung. Seine Mutter etwa habe überhaupt keine Rentenansprüche gehabt. Doch sie habe deshalb nicht das Gefühl gehabt, arm zu sein. „Es war klar, dass das Haushaltseinkommen zählte. Ich denke, das gilt weiter.“

Franz Müntefering selbst hat sein ganzes Arbeitsleben lang in die Deutsche Rentenkasse eingezahlt. „Ich war 59,5 Jahre berufstätig. Mit 14 habe ich angefangen, mit 73 aufgehört“, sagt er. Doch dem früheren SPD-Chef ist klar, dass viele Menschen nicht 59,5 Jahr lang berufstätig sein können.

Müllmänner sollen rechtzeitig den Job wechseln

Vor einiger Zeit sprach Müntefering mit Müllmännern darüber. Als der SPD-Mann sie fragte, wie lange sie denn arbeiten könnten, hätten sie gesagt: „So bis 50 oder 52.“ Aber auch den Müllmännern sei klar gewesen, dass das nicht geht. Man kann mit so einem Job nicht 30 Jahre arbeiten und dann für 40 Jahre Rente beziehen.

Müntefering hält es deshalb für entscheidend, dass Arbeitnehmer rechtzeitig aus Knochenjobs aussteigen „und etwas Neues in einem körperlichen Schonberuf anfangen, der sie nicht kaputt macht. Aber dafür fehlen oft das Bewusstsein und die Stellen“. Seiner Ansicht nach müssten solche Berufswechsel staatlich gefördert werden.

Franz Müntefering: Es geht nicht nur ums Rentenniveau

Laut aktuellen Berechnungen im Bundesarbeitsministerium von Andrea Nahles könnte künftig das Rentenniveau unter 40 Prozent des aktuellen Durchschnittseinkommens sinken. Doch nach Ansicht von Müntefering ist das Rentenniveau allein nicht entscheidend.

„Derzeit liegt das Rentenniveau bei knapp 48 Prozent des Durchschnittsverdienstes, und damit höher als erwartet. Es kommt aber darauf an, 48 Prozent von was?“ Der Durchschnittslohn sinke, „wenn wir viele niedrige Löhne haben“. Viele Arbeitnehmer würden einfach „nicht richtig bezahlt“ und bräuchten wieder „ordentliche Löhne“.

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