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Architekt verteidigt geplantes Kreuz auf dem Stadtschloss

Von Thomas Breithaupt · · 3 Min. Lesezeit

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Architekt Franco Stella verteidigt Kreuz auf der Kuppel seines Plans für das Berliner Stadtschloss. (Screenshot: YouTube)
Architekt Franco Stella verteidigt Kreuz auf der Kuppel seines Plans für das Berliner Stadtschloss. (Screenshot: YouTube)

Der Italiener Franco Stella hat die Rekonstruktion des Berliner Stadtschlosses geplant. Der vom Berliner Senat geforderte Verzicht auf das Kuppelkreuz wäre seiner Ansicht nach eine neue Form der Bilderstürmerei.

Architekt Franco Stella verteidigt das Kreuz auf der Kuppel seines Plans für das Berliner Stadtschloss. (Screenshot: YouTube)
Architekt Franco Stella verteidigt das Kreuz auf der Kuppel seines Plans für das Berliner Stadtschloss. (Screenshot: YouTube)

Der Architekt des Berliner Stadtschlosses, Franco Stella, nennt Forderungen nach einem Verzicht auf das Kuppelkreuz aus seinem Entwurf für „inakzeptabel“. Im Jahr 2008 hatte er den Wettbewerb um die Rekonstruktion des Berliner Stadtschlosses gewonnen und anschließend den Auftrag zur Planung des Bauprojektes erhalten.

Der Italiener vertritt den Standpunkt, dass man die Architektur nicht zum „Sündenbock“ für vermeintliche Sünden der Erbauer oder Nutzer machen dürfe. „Nur sehr wenige Baudenkmäler der europäischen Stadt könnten vor dieser Beschuldigung bestehen“, schreibt er in einem Gastbeitrag für die WELT.

Zuvor hatten der Berliner Senat sowie Politiker von Linken und Grünen gefordert, auf das in den ursprünglichen Plänen vorgesehene Kreuz auf der Kuppel zu verzichten. Nur mit einem Verzicht auf das Kreuz könne man die weltanschauliche Neutralität des Humboldt-Forums sicherstellen, das in das Stadtschloss einziehen soll.

Laut Franco Stella erinnert die Kuppel des Berliner Stadtschlosses auch ohne Kreuz an eine christliche Kirche. Der vollständige Verzicht auf alle Elemente des Schlosses, die nicht mit unserem Verständnis von Demokratie vereinbar seien, „würde zur Negation seiner Rekonstruktion führen“.

Und eine auf die Bilderwelt übertragene Idee des Respekts für alle Andersdenkenden könnte sehr leicht zu einer Art intellektueller, aufgeklärter Ikonoklastie [Ikonoklasmus, Bilderstürmerei, Anm. d. Red.] der eigenen Geschichte gegenüber führen.

Zudem weist Franco Stella darauf hin, dass das Kuppelkreuz nicht als Dankesgeste nach der Niederschlagung der Revolution von 1848 erbaut worden sei, wie von Kritikern behauptet. Vielmehr sei eine Kuppel mit Kreuz schon im 18. Jahrhundert im ursprünglichen Entwurf des Architekten Johann Friedrich Eosander zum westlichen Portal vorgesehen gewesen.

Auch der Kunsthistoriker und Mit-Intendant des Berliner Humboldt-Forums, Horst Bredekamp, hat das geplante Kreuz verteidigt. „Der Widerstand gegen das Kreuz, gegen einen vor Jahren getroffenen Beschluss, Berlins Stadtschlosskuppel historisch zu rekonstruieren, trägt einen Zug von Ikonoklasmus [Bilderstürmerei, Anm. d. Red.].

Als Motiv für die Proteste vermutet Horst Bredekamp die Säkularisierung der Gesellschaft. „Berlin ist statistisch die religionsfernste Gemeinschaft auf der Welt. Hier sind etwa 80 Prozent der Menschen nicht religiös gebunden. Im Rest der Welt sind 80 Prozent religiös.“ Ob man das Kreuz nun baue oder nicht, Protest werde es in jedem Falle geben.

Ich habe viele Mails bekommen. Die überwiegende Mehrheit, ich will dies nicht bewerten, besagte sinngemäß: Wenn ihr das Kreuz nicht baut, seid ihr ein leise knackendes Rädchen der Kulturmaschine namens „Unterwerfung“, wie Michel Houllebecq das in seinem Roman beschrieben hat.

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