Reportage
Flüchtlinge nutzen verstärkt die Route über die Schweiz
Laut Bundesinnenministerium sind die illegalen Grenzübertritte aus der Schweiz stark angestiegen. Die meist afrikanischen Migranten nutzen die Flüchtlingsroute über das Mittelmeer, Italien und die Schweiz bis nach Deutschland, wo sie Asyl beantragen.

Die Flüchtlingsroute von Italien aus über die Schweiz nach Deutschland hat in den letzten Monaten an Bedeutung gewonnen. Sowohl die Schweizer Grenzwacht als auch die deutsche Bundespolizei haben zuletzt deutlich mehr illegale Grenzübertritte festgestellt.
Eigentlich wurde stationäre Personenkontrollen mit dem Schengen-Beitritt der Schweiz im Jahr 2008 abgeschafft. Doch nun stehen wieder Bundespolizisten an manchen Übergängen und kontrollieren den einreisenden Verkehr, berichtet die Welt.
Flüchtlingsroute über die Schweiz wird beliebter
Eigentlich ist die Schweiz ein sicheres Herkunftsland. Doch wer von dort nach Deutschland kommt und hier um Asyl bittet, der wird laut Bundesinnenministerium nicht zurückgewiesen. Er wird auch ohne die für den Grenzübertritt erforderlichen Papiere nach Deutschland gelassen.
Grundlage dafür ist die Entscheidung von Bundeskanzlerin Angela Merkel im September 2015, die deutschen Grenzen für alle Asylsuchenden zu öffnen. Denn offiziell gilt diese Entscheidung noch immer.
Die Schweizer Grenzwacht ist angewiesen, keine Flüchtlinge nach Deutschland durchzulassen. Laut einer vorläufigen Statistik hat sie im vergangenen Monat im Kanton Tessin 5.760 „rechtswidrige Aufenthalter“ entdeckt, vor allem bei Kontrollen in Zügen, die aus Italien kommen. Die meisten Migranten kamen aus Eritrea.
Schweiz schickt Flüchtlinge zurück nach Italien
Wenn die Migranten in der Schweiz keinen Asylantrag stellen, würden sie „konsequent nach Italien rücküberstellt“, sagt ein Sprecher der eidgenössischen Grenzwacht. Zwar werden sie also nicht nach Deutschland durchgewinkt. Doch die Kontrollen sind nur lückenhaft. Daher stellen auch die deutschen Grenzschützer fest, dass die Route über die Schweiz beliebter geworden ist.
„Die Feststellungen von unerlaubten Einreisen sind im Verlauf der zurückliegenden Monate stark angestiegen“, sagt eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums zur Lage an der deutsch-schweizerischen Grenze. Die täglichen Aufgriffszahlen lägen „aber nach wie vor im unteren bis mittleren zweistelligen Bereich“.


