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Reportage

Hunderttausende Flüchtlinge arbeiten schwarz

Von Thomas Breithaupt · · 3 Min. Lesezeit

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Flüchtlinge Schwarzarbeit
Schwarzarbeit ist für Flüchtlinge oftmals die einzige Chance, Geld zu verdienen.

Laut mehreren unabhängigen Schätzungen arbeiten hunderttausende Flüchtlinge in Deutschland in Schwarzarbeit als Tellerwäscher, Tapezierer oder Putzkräfte. Sie brauchen dringend Geld, um es nach Hause zu schicken.

Flüchtlinge Schwarzarbeit
Schwarzarbeit ist für Flüchtlinge oftmals die einzige Chance, Geld zu verdienen.

Wissenschaftler der Universitäten Tübingen und Linz schreiben in einer Studie, dass der Anteil der Schwarzarbeiter unter den 1,1 Millionen Flüchtlinge des vergangenen Jahres bei bis zu 30 Prozent liegt. Schätzungen von Flüchtlingshelfern und Sozialarbeitern in Niedersachsen und Berlin lagen zwischen 10 und sogar 50 Prozent, berichtet die FAZ.

Auch Recherchen von NDR Info in Hamburg, Niedersachsen, Berlin und Sachsen-Anhalt haben ergeben, dass viele Flüchtlinge in Deutschland schwarzarbeiten. Besucher oder sogar Mitarbeiter von Flüchtlingsheimen würden die Flüchtlinge gegen Provision in die Schwarzarbeit vermitteln.

Schwarzarbeit-Vermittlung für die Hälfte des Lohns

So ermittelt die Polizei im Landkreis Harburg gegen den ehemaligen Mitarbeiter einer Gemeinschaftsunterkunft in Neu Wulmstorf. Dieser steht nach Polizeiangaben im Verdacht, „die Situation von Flüchtlingen ausgenutzt zu haben, um sich an ihnen finanziell zu bereichern“.

Nach Angaben des Heim-Betreibers Human Care soll der arabischsprachige ehemalige Mitarbeiter A. versucht haben, Flüchtlingen gegen Provision nicht nur Wohnungen und Privilegien in der Unterkunft zu vermitteln, sondern auch unangemeldete Jobs. Dafür habe er die Hälfte des Lohns gefordert.

Laut dem Landkreis Harburg und Human Care, das 39 Unterkünfte für den Kreis betreibt, wurde dem Mitarbeiter sofort gekündigt. Zudem habe der Heim-Betreiber Strafantrag gestellt, nachdem die Vorwürfe bekannt geworden waren.

Ähnliche Strukturen soll es auch in Berlin und Hamburg geben. Auch dort sind in Asylheimen Vermittler unterwegs, die den Bewohnern gegen Geld Jobs, Wohnungen oder andere Dienste anböten, sagen Sozialarbeiter und Flüchtlingshelfer. Sie kritisieren, dass Flüchtlinge in der Schwarzarbeit häufig ausgebeutet würden.

Flüchtlinge finden kaum legale Arbeit

Auf legalem Wege können Flüchtlinge derzeit nur schwer Arbeit finden. Viele aber wollen dringend Geld verdienen, um es nach Hause zu schicken oder Kosten für ihre Schlepper zu bezahlen.

Nach Recherchen von NDR Info verlassen viele Asylbewerber ihre zugewiesene Unterkunft, um Schwarzarbeit zu finden. Sie ziehen zeitweise in größere Städte, wo sie auf Matratzenlagern oder bei Freunden schlafen. Dort arbeiten sie dann schwarz als Tellerwäscher, Tapezierer oder Putzkräfte.

Das am 6. August in Kraft getretene Integrationsgesetz soll es Asylbewerbern leichter machen, auf legalem Weg Arbeit zu finden. Doch Sozialarbeiter und Flüchtlingshelfer erwarten von dem Gesetz keine nennenswerte Reduzierung der Schwarzarbeit unter Flüchtlingen.

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Thomas Breithaupt

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