Reportage
Flüchtlinge werden als Bademeister ausgebildet
Der Schwimmmeister-Verband sucht Bademeister. Doch weil die Fachkräfte fehlen, sollen nun Asylbewerber zu Bademeistern ausgebildet werden. Dies habe auch den Vorteil, dass sich deutsche Frauen nicht mehr zu unrecht belästigt fühlen.

Wegen des Fachkräftemangels will der Bundesverband Deutscher Schwimmmeister (BDS) Flüchtlinge zu Schwimmmeistern ausbilden lassen. SPD, Grüne und die Linkspartei stehen hinter diesem integrativen Plan.
„Das ist eine integrative Maßnahme, von der alle profitieren würden“, sagte BDS-Präsident Peter Harzheim zu RP Online. „Uns fehlen Fachkräfte. Darum wäre es fahrlässig, diese Ressourcen nicht zu nutzen.“ Zudem könnten die Flüchtlinge dazu beitragen, dass es in den Bädern seltener zu interkulturellen Konflikten kommt.
„Oftmals ist es nämlich so, dass Frauen sich schon von einer Gruppe Migranten sexuell belästigt fühlen, nur weil diese sie anschauen. Solche Situationen könnten dann schneller entschärft werden“, so Peter Harzheim.
SPD, Grüne, Linkspartei für Flüchtlinge als Bademeister
SPD und Grüne unterstützen den Plan des deutschen Schwimmmeister-Verbands. „Wenn das geht, wäre es eine tolle Sache. Es ist wichtig, den jungen Flüchtlingen eine Perspektive zu geben“, sagte der SPD-Landtagsabgeordnete Ibrahim Yetim.
Und Josefine Paul, die stellvertretende Vorsitzende der Landtagsfraktion der Grünen, sagt: „Wir haben zum einen seit Langem einen Mangel und brauchen dringend Nachwuchs. Zum anderen können Flüchtlinge als Vermittler in der interkulturellen Verständigung tätig werden.“
Zunächst einmal sei es aber notwendig, dass die Flüchtlinge schwimmen lernen, so die Grünen-Politikerin. Deshalb müssten die bereits vorhandenen Angebote an Schwimmkursen ausgebaut werden.
Und die NRW-Landessprecherin der Linkspartei Özlem Demirel sagte: „Menschen mit Mehrsprachigkeit können mögliche Missverständnisse schneller ausräumen. Da spricht nichts gegen.“ Nationalität oder Hautfarbe seien vollkommen egal. Wichtig seien eine gute Ausbildung und eine anständige Entlohnung.
Fachkräftemangel in deutschen Bädern
Laut BDS sind bundesweit in Deutschland rund 2.500 Bademeisterstellen unbesetzt. Es gebe kaum Bewerber. „Wird die Entwicklung nicht gestoppt, werden wir ein Volk von Nichtschwimmern“, sagt Schwimmmeister-Präsident Peter Harzheim.
Laut Angaben der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) gab es im vergangenen Jahr in Deutschland 488 Badetote. Das ist ein Viertel mehr als noch im Jahr 2014. Die DLRG macht dafür auch die Schließung von mehr als 400 Bädern verantwortlich, die es in den vergangenen Jahren gegeben hat. Hunderte weitere Bäder sollen geschlossen werden.
Die Schulen haben inzwischen Probleme, noch Schwimmzeiten zu bekommen. Im ländlichen Raum gibt es seit Längerem Schulen, die keinen Schwimmunterricht mehr anbieten. Bundesweit können nach Angaben der DLRG rund 45 Prozent der Kinder nach dem Ende der Grundschule noch immer nicht richtig schwimmen.


