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Reportage

Einheitsfeier Dresden: Spießrutenlauf für Merkel, Lammert und Gauck

Von Thomas Breithaupt · · 3 Min. Lesezeit

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Zum Glück konnten sich die Politiker in die Zelte flüchten: Hunderte wütende Menschen empfingen heute vormittag Deutschlands höchste Politiker auf dem Dresdener Neumarkt mit Plakaten "Merkel muss weg", Trillerpfeifen und Haut-ab-Rufen (Foto: Facebook/Lutz Bachmann)
Zum Glück konnten sich die Politiker in die Zelte flüchten: Hunderte wütende Menschen empfingen heute vormittag Deutschlands höchste Politiker auf dem Dresdener Neumarkt mit Plakaten "Merkel muss weg", Trillerpfeifen und Haut-ab-Rufen (Foto: Facebook/Lutz Bachmann)
Zum Glück konnten sich die Politiker in die Zelte flüchten: Hunderte wütende Menschen empfingen heute vormittag Deutschlands höchste Politiker auf dem Dresdener Neumarkt mit Plakaten "Merkel muss weg", Trillerpfeifen und Haut-ab-Rufen (Foto: Facebook/Lutz Bachmann)
Zum Glück für die Politiker gab es Zelte: Hunderte wütende Menschen empfingen heute vormittag Deutschlands höchste Politiker auf dem Dresdner Neumarkt mit Plakaten „Merkel muss weg“, Trillerpfeifen und Haut-ab- oder Volksverräter-Rufen  (Foto: Facebook/Lutz Bachmann)

Der Einmarsch der bundesdeutschen Politspitze zur Einheitsfeier vor dem Dresdner Verkehrsmuseum zur Frauenkirche und zum Festakt in der Semperoper am Neumarkt geriet nach Einschätzung von Beobachtern heute vormittag zu einem Spießrutenlauf durch eine wütende Menschenmenge.

Hunderte Demonstranten des fremdenfeindlichen Pegida-Bündnisses versammelten sich vor dem offiziellen Empfang und beschimpften die eintreffenden Politiker.

Die Protestierer vor dem weiträumig abgesperrten Verkehrsmuseum riefen „Volksverräter”, „Haut ab” und „Merkel muss weg”. Dazu Lärm aus Trillerpfeifen.

Unter den Demonstranten war auch eine große gemischte Gruppe aus Bürgern und Flüchtlingen, die vor einem möglichen Krieg mit Russland warnten und für Frieden demonstrierten. Wie Teilnehmer Enrico Appel dem Berlin Journal mitteilte, seien aus dieser Gruppe Rufe gegen Angela Merkel gefallen, „um offen und ehrlich Fakten auf den Tisch zu legen. Der Hauptgrund war aber, keine Kriege mehr.“

Unter den Gästen waren Bundespräsident Joachim Gauck, Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Die Frau des sächsischen Wirtschaftsministers Martin Dulig (SPD) brach in Tränen aus, als sie durch die aufgebrachte Menge ging.

Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) als Bundesratspräsident empfing die Gäste vor dem Verkehrsmuseum, wo sie sich in das Goldene Buch der Stadt eintrugen. Anschließend fand ein Ökumenischer Gottesdienst in der Frauenkirche statt. Um 12.00 Uhr begann dann der offizielle Festakt in der Semperoper.

Zu den lautstarken Demonstranten gehörte auch der Pegida-Mitbegründer Lutz Bachmann.

Die sächsische Polizei twitterte um 9:31 Uhr: „Um Zugang der Ehrengäste zu den Protokollveranstaltungen am Neumarkt zu gewährleisten, mussten Personen zurückgedrängt werden.“ Ein dunkelhäutiger Mann, der zum Gottesdienst wollte, wurde angepöbelt: „Abschieben!“

Nach den Sprengstoffanschlägen auf eine Dresdner Moschee und ein Kongresszentrum am Montag vergangener Woche wurden die Sicherheitsmaßnahmen in der sächsischen Landeshauptstadt verstärkt, auch Scharfschützen sind positioniert worden. Zum Einheitsfeiertag sind dort etwa 2.600 Polizisten im Einsatz.

Die Staatskanzlei Sachsen zeigte sich bestürzt über die Störer. Sie twitterte um 11:32 Uhr: „Wir sind traurig und beschämt über die Respektlosigkeit und den Hass der Pöbler bei den bisher friedlichen Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einhat 2016 “

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat am Rande der Feierlichkeiten zum Tag der deutschen Einheit zu gegenseitigem Respekt und Dialogbereitschaft aufgerufen. 26 Jahre nach der Wiedervereinigung sei der Tag der Einheit für die allermeisten Deutschen nach wie vor ein Tag der Freude und Dankbarkeit, sagte die CDU-Chefin in Dresden. Es gebe aber auch neue Probleme. Merkel: „Und ich persönlich wünsche mir, dass wir diese Probleme gemeinsam, in gegenseitigem Respekt, in der Akzeptanz sehr unterschiedlicher politischer Meinungen lösen, und dass wir auch gute Lösungen finden.“

Der sächsischen Ministerpräsident Stanislaw Tillich hat dazu aufgerufen, mit Worten gewisse Grenze nicht zu überschreiten. „Beschämt erleben wir, dass Worte die Lunte legen können für Hass und Gewalt“, sagte der amtierende Bundesratspräsident beim Festakt zum Tag der deutschen Einheit in Dresden. „Das ist menschenverachtend und zutiefst unpatriotisch. Dem stellen wir uns alle entgegen.“ Vor dem Festakt in der Semperoper waren die teilnehmenden Politiker vor allem von Pegida-Anhängern beschimpft worden. Tillich sagte in seiner Rede: „Wir alle müssen dafür sorgen, dass die gefährliche Saat, auch die des Populismus, nicht aufgeht.“

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