Reportage
Lehrerverband: Rechtspopulisten verrohen unsere Schüler
Der Bayerische Lehrerverband BLLV sagt, dass die politische Kultur in Deutschland die Schüler verroht. Wenn etwa die AfD offen darüber redet, auf Flüchtlinge zu schießen, dann sei das gefährlich, sagt BLLV-Chefin Simone Fleischmann.

Nach Angaben von Lehrern verbreitet sich auf deutschen Schulhöfen zunehmend eine aggressive, hasserfüllte Sprache. Deshalb präsentierte der Verband am Mittwoch in München ein Manifest mit dem Titel „Haltung zählt“.
„Wir beobachten mit größter Sorge, wie sich die Stimmung, die Kommunikation in den sozialen Netzwerken und die alltäglichen Umgangsformen in unserer Gesellschaft verändern. Diese Verrohung des Umgangs wirkt sich auch auf unsere Kinder und Jugendlichen aus.“
„Extreme Gruppierungen und Personen, insbesondere Repräsentanten der Rechtspopulisten und Rechtsextremen, tragen zu dieser Verrohung des Umgangs maßgeblich bei.“
Die Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), Simone Fleischmann (46), berichtet über einen Fall an einer Dorfschule in einem kleinen Ort in Bayern, der allerdings kein Einzelfall sei.
Als eine Lehrerin morgens zur Schule kam, habe dort am Eingang gestanden: „Drecksschule! Fickt euch, ihr Lehrergesindel, ihr Untermenschen.“ In 40 Jahren Schuldienst habe die Lehrerin so etwas noch nicht erlebt.
Lehrerverband: Die AfD verroht unsere Schüler
Lehrer in ganz Deutschland beobachteten bei ihren Schülern inzwischen eine „zunehmende Aggressivität gegenüber Andersdenkenden, Ausländern und Flüchtlingen“, sagt Simone Fleischmann. Für diese Verrohung der Schüler macht sie vor allem den Ton aktueller politischer Debatten verantwortlich.
Wenn Politiker offen darüber reden, als Ultima Ratio auf Flüchtlinge zu schießen, sei das unglaublich gefährlich. Auch Begriffe wie „Flüchtlingsflut“ seien sehr problematisch. „Eine Flut bedeutet für Kinder Gefahr. Die verbinden damit, dass Menschen sterben.“
Hasssprache erhöht die Gewaltbereitschaft
Der Neurologe und Psychotherapeut Joachim Bauer von der Uniklinik Freiburg sieht einen engen Zusammenhang zwischen aggressiver Sprache und aggressivem Verhalten. „Worte wirken massiv auf das Gehirn“, zitiert ihn SPON.
Es sei beunruhigend, „wie in den sozialen Netzwerken Hass kultiviert wird“, sagt der Neurologe. Beschimpfungen und Demütigungen lösten im Gehirn erst einen Schmerz und dann Aggression aus. „Hasssprache erhöht die Bereitschaft, selbst gewaltbereit zu handeln.“
Problematisch wird es laut Joachim Bauer, wenn Eltern schlechte Vorbilder sind und es tolerierten, dass ihre Kinder verbal um sich schlagen. Noch schlimmer sei es, wenn die Eltern am Frühstückstisch selbst rassistische Hassparolen von sich geben.


