Reportage
Nach der Bundestagswahl senken sie das Rentenniveau
Nach Ansicht des früheren Chefs der Wirtschaftsweisen Bert Rürup sind die Wahlversprechen der SPD zur Rente nicht haltbar. Schon bald nach der Bundestagswahl werde man beschließen, das Rentenniveau abzusenken.

Das Versprechen von SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz, die gesetzliche Rente auf dem heutigen Rentenniveau von 48 Prozent zu stabilisieren, kann maximal bis zum Jahr 2030 gehalten werden, sagt der ehemalige Chef der Wirtschaftsweisen, Bert Rürup.
Schon bald nach der Bundestagswahl werde daher die kommende Regierung beschließen, das Rentenniveau nach 2030 weiter abzusenken. Das Rentenversprechen der SPD werde dann nur den heutigen Rentnern und den rentennahen Jahrgängen eine Verbesserung bringen.
„Für Ruheständler nach 2030 ist eine Absenkung [des Rentenniveaus] dagegen sicher, obwohl sie bis dahin höhere Beiträge gezahlt haben“, sagte Bert Rürup dem Handelsblatt. Allerdings werde das statistische Rentenniveau in der aktuellen Debatte auch überbewertet.
Ein stabiles Rentenniveau hat einen hohen Symbolwert, sagt aber wenig über die Höhe der individuellen Rente aus. Ein sinkendes Rentenniveau bedeutet nicht, dass die Renten sinken. Selbst nach dem geltenden Recht würden sie jährlich um mehr als zwei Prozent steigen.
Nach Ansicht des früheren Wirtschaftsweisen ist klar, dass auch ein Rentenniveau von 48 Prozent zur Lebensstandardsicherung nicht ausreichen wird. Zusätzlich sei eine ergänzende private Altersvorsorge oder eine Betriebsrente erforderlich.
Bert Rürup kritisiert aber nicht nur die unhaltbaren Wahlversprechen der SPD, sondern auch die Ankündigung der CDU, das Rententhema auf eine Kommission nach der Bundestagswahl zu vertagen.
Nach den aktuellen Plänen wird das Rentenniveau (nach Sozialabgaben, aber vor Steuern) von aktuell knapp 48 Prozent auf voraussichtlich 44,3 Prozent im Jahr 2030 absinken. Den Grund dafür nennt die Deutsche Rentenversicherung auf ihrer Webseite:
Die Finanzierung der Rentenversicherung erfolgt im sogenannten Umlageverfahren, das heißt die laufenden Ausgaben werden zum allergrößten Teil aus den laufenden Beitragseinnahmen und einem Bundeszuschuss finanziert.
In den kommenden Jahren wird sich die Anzahl der Rentenbezieher im Verhältnis zu der Zahl der Beitragszahler weiter erhöhen.
Dem Chef des SPD-Arbeitnehmerflügels, Klaus Barthel, gehen die Rentenpläne von Martin Schulz nicht weit genug. Er wolle das Rentenniveau nicht nur bei 48 Prozent stabilisieren, sondern längerfristig sogar wieder auf 50 Prozent erhöhen, sagte er der Funke-Mediengruppe.
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