Reportage
Vier von fünf Berliner Taxi-Firmen betrügen den Fiskus
Fast 80 Prozent der Berliner Taxi-Firmen haben „unplausible Zahlen“ in ihren Bilanzen. Sie rechnen ihren Umsatz klein oder nutzen Schwarzarbeit. So hinterziehen sie Steuern und Sozialabgaben.

In keiner anderen deutschen Stadt greifen die Taxi-Unternehmen so stark zu illegalen Methoden, um Steuern zu sparen, wie in Berlin. Fast 80 Prozent der Berliner Taxi-Betriebe haben „unplausible Zahlen“ in ihren Bilanzen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Sachverständigen Thomas Krause (58) von der Hamburger Agentur Linne + Krause.
„Viele Unternehmen rechnen ihren Umsatz klein. Bei anderen lässt sich aufgrund zu niedriger Personalkosten auf Schwarzarbeit schließen“, sagte Thomas Krause der B.Z. Seine Studie ist im Auftrag des Berliner Senats erstellt worden. Sie hat die Bücher von 892 der insgesamt knapp 3.000 Berliner Taxi-Unternehmen und selbstständigen Taxifahrer untersucht.
Schwarzarbeit bei Berliner Taxi-Firmen
Der gesetzliche Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde ergibt für einen fest angestellten Fahrer Lohnkosten von jährlich mindestens 28.000 Euro. Wen ein Taxi in zwei oder drei Schichten pro Tag gefahren wird, so liegen die Personalkosten für einen Wagen schnell bei mehr als 65.000 Euro pro Jahr.
„Wenn ich dann bei einem Unternehmer sehe, dass er nur 15.000 Euro pro Fahrzeug veranschlagt, kann etwas nicht stimmen“, so der Sachverständige Thomas Krause. Auf diese Weise rechne sich der Taxi-Unternehmer ärmer, als er in Wirklichkeit ist. Er hinterziehe Steuern und Sozialabgaben.
Auf ähnliche Weise lassen sich laut Thomas Krause auch unplausible Bilanz-Zahlen beim Jahresumsatz und beim Erlös pro Kilometer aufdecken. Die Studie nennt rund 130 „Intensivtäter-Betriebe“, die systematisch und im großen Stil betrügen.
Detlev Freutel (63) vom Taxiverband Berlin-Brandenburg ist bisher immer davon ausgegangen, dass nur gut die Hälfte aller Berliner Taxi-Unternehmen irregulär arbeitet. „Dass es fast 80 Prozent sind, haut einen um“, zitiert ihn die B.Z. Er fordert deshalb schon lange die staatlich geförderte Einführung eines sogenannten „Fiskal-Taxameters“, der sich nicht manipulieren lässt.
„In Hamburg hat das vor zehn Jahren sehr gut geklappt“, sagt Detlev Freutel, der selbst Taxifahrer ist. Das Fördergeld für die Umrüstung der Taxis habe sich für den Fiskus später wieder ausgezahlt.


