Reportage
Bayern soll Berliner Abitur nicht mehr anerkennen
In einigen Bundesländern wie Berlin werden immer bessere Abiturnoten vergeben, obwohl die Leistungen der Schüler eher zurückgehen. Daher sollte Bayern das Berliner Abitur nicht mehr anerkennen, sagt Josef Kraus, Präsident des Deutschen Lehrerverbands.

Der Deutsche Lehrerverband beklagt eine „Inflation“ guter Schulnoten in einer Reihe von Bundesländern. In Berlin etwa gebe es heute 14 Mal so viele Abiturzeugnisse mit einem Notendurchschnitt von 1,0 wie noch vor zehn Jahren, sagte Verbandspräsident Josef Kraus gegenüber der Bild-Zeitung.
Diese Verbesserung der Noten bedeute aber nicht etwa eine Verbesserung der Schülerleistungen, sondern ein Nachlassen der Anforderungen. Zeugnisse dürften aber „nicht zu ungedeckten Schecks werden“. Die „Inflation“ bei den Schul- und Abiturnoten müsse daher ein Ende haben, so Josef Kraus.
Auch der bildungspolitische Sprecher der FDP im Berliner Abgeordnetenhaus Paul Fresdorf sagt, dass die Leistungsniveaus an den Berliner Schulen rapide gesenkt worden sind. Es handle sich dabei um eine „Manipulation der Ergebnisse durch Absenkung der Anforderungen“, zitiert ihn die B.Z.
Josef Kraus kritisiert anspruchsloses Berliner Abitur
Daher fordert der Präsident des Deutschen Lehrerverbands „anspruchsvolle Bundesländer“ wie Bayern dazu auf, Abiturzeugnisse „anspruchsloser Bundesländer“ nicht mehr anzuerkennen. Zu letzteren zählt offenbar auch das Berliner Abitur.
Das Abitur müsse wieder „ein Attest für Studienbefähigung“ werden und nicht nur eine „Studienberechtigung“, so Josef Kraus. Er fordert, dass die Lehrpläne der verschiedenen Bundesländer für die letzten beiden Schuljahre vor dem Abitur auf hohem Niveau vereinheitlicht werden.
Der Berliner Landesverband der Bildungsgewerkschaft GEW weist die Forderungen des Lehrerverbands zurück. „Die Aussage von Josef Kraus entspricht einer rückwärtsgewandten Bildungspolitik, er strebt damit offenbar die Rückkehr in die Kleinstaaterei im Bildungsbereich an”, sagte GEW-Landeschef Tom Erdmann.
Seit diesem Schuljahr gebe es für alle Bundesländer einen gemeinsamen Pool an Prüfungsaufgaben und damit einheitliche Standards. „Die Vergleichbarkeit ist also vorhanden”, so Tom Erdmann. Die Forderung von Josef Kraus sei nichts als Populismus. Zudem liege der Abiturdurchschnitt in Berlin seit der Einführung des Zentralabiturs konstant bei etwa 2,5.


