Berlin Journal

Magazin · Berlin

Reportage

Bauirrsin in Berlin – Baustopp nach viralem Wut-Video: Wie Berlins Bürokratie Bauherren zur Verzweiflung bringt

Von Ronald Ackermann · · 13 Min. Lesezeit

Teilen: X · E-Mail

Bauirrsin in Berlin - Baustopp nach viralem Wut-Video

Der Berliner Unternehmer Kenan Abu Rashed schildert in einem millionenfach diskutierbaren Social-Media-Thema seinen Frust über Genehmigungen, zusätzliche Prüfungen und jahrelange Verzögerungen. Wenige Tage später erhält er nach eigenen Angaben einen Baustopp. Der Fall wirft grundsätzliche Fragen zum Wohnungsbau in der Hauptstadt auf.

„Berlin braucht nicht nur neue Wohnungen, sondern auch eine Verwaltung, die Bauprojekte zügig, nachvollziehbar und rechtssicher begleitet. Jeder vermeidbare Stillstand kostet Zeit, Kapital und Vertrauen.“ – Redaktion Berlinjournal

Berliner Wohnungsbau im Überblick

  1. Virales Protestvideo: Unternehmer Kenan Abu Rashed kritisiert Berliner Genehmigungsverfahren.
  2. Baustopp nach vier Tagen: Ein Bescheid vom 26. Oktober sorgt für neue Diskussionen.
  3. Jahrelange Planung: Ausnahmegenehmigungen und zusätzliche Prüfungen verzögern das Bauprojekt.
  4. Hohe wirtschaftliche Belastung: Stillstände verursachen zusätzliche Kosten für Bauherren und Investoren.
  5. Kein Einzelfall: Auch große Berliner Wohnungsbauprojekte kämpfen mit komplexen Verfahren.
  6. Reformen unter Beobachtung: Neue Berliner Baugesetze sollen Verfahren beschleunigen.

Bauirrsin in Berlin - Baustopp nach viralem Wut-Video

Wenn aus einem Bauvorhaben ein Behördenmarathon wird

Auf einem rund 750 Quadratmeter großen Grundstück an der Heerstraße im Berliner Westend soll ein Mehrfamilienhaus mit etwa 650 Quadratmetern Wohnfläche entstehen. Ein überschaubares privates Wohnungsbauprojekt, das dennoch zum Gegenstand einer öffentlichen Debatte über die Leistungsfähigkeit deutscher Verwaltungen geworden ist.

Der Berliner Immobilienunternehmer Kenan Abu Rashed schilderte am 22. Oktober 2026 in einem Instagram-Video seinen Ärger über die Schwierigkeiten bei der Umsetzung des Bauvorhabens. Rund zweieinhalb Jahre Planung, unterschiedliche behördliche Anforderungen und immer neue Hürden hätten seine Geduld erschöpft. Abu Rashed berichtet unter anderem von einer Ausnahmegenehmigung, deren Bearbeitung etwa ein Jahr gedauert habe. Hinzu seien Schwierigkeiten beim Aufstellen eines Bauzauns, zusätzliche Untersuchungen des Baugrunds und Abstimmungen wegen Baumwurzeln auf einem Nachbargrundstück gekommen.

Dabei geht es um weit mehr als Formulare und Wartezeiten. Verzögerungen auf einer Baustelle verursachen Kosten. Personal muss bezahlt, Baugeräte müssen disponiert und Finanzierungen bedient werden. Ein ursprünglich kalkulierbares Bauprojekt kann durch wiederholte Unterbrechungen erheblich teurer werden. Seine Frustration bringt Abu Rashed im Video auf Englisch auf den Punkt:

„I will never build in Berlin again.“

Die Aussage steht sinnbildlich für ein Problem, das die Immobilienwirtschaft seit Jahren beschäftigt: die mangelnde Planbarkeit von Bauvorhaben.

Vier Tage nach dem Video: Ein Baustopp sorgt für neue Fragen

Am 26. Oktober 2026, vier Tage nach Veröffentlichung seiner Kritik, wurde nach Angaben des Unternehmers ein Baustopp für sein Projekt angeordnet. In einem weiteren Video vom 27. Oktober zeigt Abu Rashed ein entsprechendes Schreiben und widerspricht der darin dargestellten Begründung. Nach seiner Wiedergabe beanstandet die Behörde eine mindestens 3,5 Meter tiefe Baugrube sowie unzureichende Sicherungsmaßnahmen an mehreren Baugrubenwänden. Der Unternehmer hält die Maßnahme für nicht nachvollziehbar und verweist auf vorherige behördliche Abstimmungen.

Die zeitliche Nähe zwischen dem Protestvideo und dem Baustopp wurde auch von Thorsten Alsleben öffentlich thematisiert. Daraus lässt sich allerdings kein ursächlicher Zusammenhang ableiten. Ebenso wenig lässt sich anhand der bislang öffentlich bekannten Unterlagen abschließend beurteilen, ob die angeführten Sicherheitsmängel tatsächlich bestanden.

Entscheidend ist die Unterscheidung zwischen berechtigter Bauaufsicht und vermeidbaren Verwaltungsproblemen. Besteht an einer Baugrube eine konkrete Gefahr für Beschäftigte, Nachbarn oder Passanten, muss die zuständige Behörde handeln. Gleichzeitig haben Bauherren ein berechtigtes Interesse an klaren, frühzeitig kommunizierten Anforderungen und nachvollziehbaren Entscheidungen. Gerade diese Verbindung aus Sicherheit, Verlässlichkeit und Kommunikation ist für einen funktionierenden Baubetrieb unverzichtbar.

Berliner Wohnungsbau: Das Problem reicht weit über ein einzelnes Grundstück hinaus

Der Fall Abu Rashed fällt in eine Zeit, in der die Berliner Immobilienwirtschaft seit Jahren über lange Planungsverfahren und hohe administrative Kosten diskutiert. Wie erheblich diese Belastungen ausfallen können, zeigt das Wohnquartier Neulichterfelde. Der Berliner Projektentwickler Thomas Groth berichtete 2026 in einem Interview mit der Berliner Wirtschaft ausführlich über die Schwierigkeiten seines langjährigen Engagements im Wohnungsbau.

Beim Quartier Neulichterfelde sollen nach seinen Angaben rund 25 Millionen Euro allein für den Artenschutz angefallen sein. Dazu gehörten umfangreiche Maßnahmen zum Schutz und zur Umsiedlung von Zauneidechsen.

Groth formulierte seine Kritik deutlich:

„Heute will jede Behörde in erster Linie ihre eigenen Interessen durchsetzen.“

— Thomas Groth, Immobilienunternehmer, im Interview mit Berliner Wirtschaft

Das Projekt Neulichterfelde umfasst rund 2.700 geplante Wohnungen. Im März 2026 wurden wesentliche Vereinbarungen für die Übernahme der Entwicklung durch ein Joint Venture der landeseigenen degewo und des Unternehmens WÖHR + BAUER geschlossen.

Die beiden Beispiele unterscheiden sich erheblich in ihrer Größenordnung. Gemeinsam ist ihnen jedoch die wirtschaftliche Bedeutung von Genehmigungsprozessen und behördlichen Abstimmungen. Für private Bauherren können bereits Verzögerungen von wenigen Wochen erhebliche finanzielle Folgen haben. Bei größeren Quartiersentwicklungen vervielfachen sich diese Auswirkungen.

Wie typisch ist der Fall? Fünf Beispiele zeigen die Probleme des Berliner Wohnungsbaus

Der Fall des Unternehmers Kenan Abu Rashed ist kein Beweis für ein grundsätzliches Versagen der Berliner Bauverwaltung. Er fügt sich jedoch in eine Reihe dokumentierter Erfahrungen ein, bei denen lange Planungsverfahren, unterschiedliche behördliche Zuständigkeiten und wirtschaftliche Unsicherheiten die Entwicklung neuer Wohnungen erschweren.

Die Ursachen unterscheiden sich von Projekt zu Projekt. Während private Bauherren über zusätzliche Genehmigungsschritte klagen, kämpfen große Projektentwickler mit komplexen Bebauungsplänen, Naturschutzauflagen und politischen Rahmenbedingungen.

1. Thomas Groth: Nach 44 Jahren endet eine Berliner Unternehmergeschichte

Besonders deutlich wird die Entwicklung am Beispiel des Berliner Immobilienunternehmers Thomas Groth. Seine Groth Gruppe hat innerhalb von 44 Jahren rund 13.600 Wohnungen entwickelt und insgesamt etwa 5,5 Milliarden Euro investiert. Im Oktober 2026 erklärte Groth seinen Rückzug aus der Immobilienentwicklung. Seine Unternehmensgruppe soll abgewickelt werden.

Als besonders belastendes Beispiel nennt er das Wohnquartier Neulichterfelde. Dort sollten rund 2.500 Wohnungen entstehen. Die Planung begann bereits 2012. Nach Angaben des Unternehmers flossen allein rund 25 Millionen Euro in Maßnahmen des Natur- und Artenschutzes, unter anderem in Ersatzlebensräume für Zauneidechsen. Nach jahrelangen Planungen wurden wesentliche Teile des Projekts 2026 an neue Entwicklungspartner übergeben.

„Es macht keinen Spaß mehr.“ — Thomas Groth, Berliner Immobilienunternehmer, Oktober 2026

Der Fall macht deutlich, wie lange Entwicklungszeiträume die Wirtschaftlichkeit eines großen Wohnungsbauprojekts beeinträchtigen können. Groth verweist neben der Bürokratie auch auf gestiegene Baukosten, hohe Grundstückspreise und Finanzierungskosten.

2. Bebauungspläne: Wenn aus Monaten viele Jahre werden

Ein grundsätzliches Problem liegt in der Dauer komplexer Bebauungsplanverfahren. Bevor größere Wohnquartiere entstehen können, müssen häufig zahlreiche Fragen zu Verkehr, Infrastruktur, Umwelt, Artenschutz und städtebaulicher Entwicklung geklärt werden. Solche Verfahren können sich über viele Jahre erstrecken. Für Investoren bedeutet das eine lange Phase, in der Grundstücke und Planungskapital gebunden sind, ohne dass mit der eigentlichen Bebauung begonnen werden kann. Die Herausforderung besteht darin, unterschiedliche öffentliche Interessen frühzeitig miteinander abzustimmen, statt Konflikte erst nach weit fortgeschrittener Planung zu lösen.

3. Pankower Tor: Rund 2.000 Wohnungen und ein jahrelanger Planungsprozess

Auf dem Gelände des ehemaligen Rangierbahnhofs Pankow soll ein neues Stadtquartier mit rund 2.000 Wohnungen, Schulen, Kindertagesstätten, Einzelhandel und Grünanlagen entstehen. Der Projektentwickler Kurt Krieger hatte das Gelände bereits 2009 erworben. Dennoch erstreckte sich die Planung über viele Jahre.

Zu den komplexen Themen gehörte insbesondere der Schutz der dort vorkommenden Kreuzkröte. Im März 2025 wurden wichtige städtebauliche Verträge unterzeichnet. Im Juni 2026 wurde die Öffentlichkeitsbeteiligung zum Bebauungsplan weitergeführt. Das Projekt zeigt, wie umfangreich die Abstimmung zwischen Wohnungsbau, Verkehrsplanung, sozialer Infrastruktur und Naturschutz ist.

4. Grenzhafen Berlin: Mehrere Behörden, unterschiedliche Anforderungen

Beim Projekt Grenzhafen Berlin in Alt-Treptow wird die Komplexität behördlicher Genehmigungsprozesse ebenfalls deutlich. Hier treffen verschiedene rechtliche Anforderungen aufeinander, darunter bauplanungsrechtliche, wasserrechtliche und gegebenenfalls denkmalrechtliche Fragen.

Das Beispiel verdeutlicht eine strukturelle Herausforderung: Selbst wenn einzelne Planungsabschnitte weit fortgeschritten sind, können noch ausstehende Entscheidungen anderer zuständiger Stellen den weiteren Ablauf beeinflussen. Nicht jede zusätzliche Prüfung ist vermeidbar. Für Projektentwickler entscheidend ist jedoch, dass Zuständigkeiten, Anforderungen und zeitliche Abläufe möglichst frühzeitig erkennbar sind.

5. Vonovia: Politische Unsicherheit beeinflusst Investitionsentscheidungen

Dass die Probleme des Berliner Wohnungsmarktes nicht allein behördlicher Natur sind, zeigt der Wohnungskonzern Vonovia.

Im Oktober 2026 wurde bekannt, dass das Unternehmen vorerst keine neuen Berliner Wohnungsbauprojekte starten möchte, solange die politischen Rahmenbedingungen im Zusammenhang mit einer möglichen Vergesellschaftung großer Wohnungsbestände ungeklärt bleiben. Rund 1.000 bereits im Bau befindliche Wohnungen sollen hingegen fertiggestellt werden.

Vonovia begründet die Zurückhaltung mit fehlender Investitionssicherheit. Anders als bei den zuvor genannten Beispielen steht damit keine konkrete Genehmigungsverzögerung im Mittelpunkt, sondern die langfristige Berechenbarkeit der Wohnungspolitik. Auch das ist für Berlin wirtschaftlich relevant: Private Investoren entscheiden über neue Wohnungsbauprojekte nicht allein anhand der Nachfrage, sondern ebenso anhand rechtlicher, finanzieller und politischer Rahmenbedingungen.

Fünf unterschiedliche Fälle – ein gemeinsames wirtschaftliches Problem

Die Beispiele zeigen unterschiedliche Ursachen für Verzögerungen und Investitionszurückhaltung. Gemeinsam ist ihnen die Bedeutung verlässlicher Rahmenbedingungen. Für Berlin entsteht daraus eine zentrale Herausforderung: Einerseits werden dringend zusätzliche Wohnungen benötigt. Andererseits müssen private und öffentliche Bauherren mit langen Planungszeiten, komplexen Vorschriften und wirtschaftlichen Risiken umgehen.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, ob Berlin Bauvorschriften braucht, sondern wie sich notwendige Prüfungen schneller, transparenter und besser koordiniert durchführen lassen.

Der Fall Kenan Abu Rashed steht damit beispielhaft für eine Diskussion, die inzwischen sowohl kleine private Bauherren als auch große Immobilienunternehmen beschäftigt.

Warum Bürokratie den Wohnungsbau verteuert

Wohnungsbau ist ein Zusammenspiel zahlreicher Fachbereiche. Bauaufsicht, Stadtplanung, Umwelt- und Naturschutzbehörden, Verkehrsverwaltung sowie gegebenenfalls Denkmalschutz und weitere Stellen müssen unterschiedliche gesetzliche Anforderungen prüfen. Diese Anforderungen haben legitime Aufgaben. Sie schützen Menschen, Umwelt und bestehende Nachbarschaften. Schwierig wird es, wenn die Prüfungen nicht ausreichend koordiniert ablaufen oder notwendige Anforderungen erst spät im Verfahren deutlich werden.

Dadurch entstehen mehrere wirtschaftliche Probleme:

  • Steigende Finanzierungskosten: Fremdkapital wird länger benötigt, ohne dass Mieterträge entstehen.
  • Zusätzliche Baustellenkosten: Personal, Maschinen und Dienstleister verursachen auch während eines Stillstands Ausgaben.
  • Schwierige Kalkulation: Verzögerungen können bestehende Angebote und vereinbarte Bauabläufe verändern.
  • Gebundenes Eigenkapital: Investoren können ihre Mittel über lange Zeit nicht für andere Projekte einsetzen.
  • Sinkende Investitionsbereitschaft: Unsichere Verfahren erschweren Entscheidungen für neue Bauvorhaben.

Damit wird Verwaltungsqualität selbst zu einem Standortfaktor. Ein Wirtschaftsstandort konkurriert nicht allein über Grundstückspreise, Infrastruktur oder Förderprogramme. Auch die Verlässlichkeit behördlicher Entscheidungen beeinflusst, ob privates Kapital investiert wird.

Berlin reformiert sein Baurecht – doch was kommt auf den Baustellen an?

Die Berliner Landespolitik hat das Problem erkannt und mehrere Reformen auf den Weg gebracht. Bereits am 22. Dezember 2024 trat das Schneller-Bauen-Gesetz in Kraft. Es soll Planungs-, Genehmigungs- und Bauprozesse beschleunigen und die Zusammenarbeit der zuständigen Stellen verbessern. Zu den Instrumenten gehören unter anderem veränderte Verfahrensregeln, kürzere Bearbeitungsfristen und die stärkere Koordination unterschiedlicher Fachbehörden.

Im Juli 2026 folgte das Gesetz für einfaches Bauen. Es ist überwiegend seit dem 23. Juli 2026 in Kraft und soll insbesondere Baukosten reduzieren, Vorschriften vereinfachen und Genehmigungsverfahren effizienter gestalten. Eine wichtige Neuerung betrifft die behördeninterne Abstimmung: Schriftliche Stellungnahmen sollen im Regelfall innerhalb eines Monats erfolgen, sobald die erforderlichen Unterlagen vollständig vorliegen.

Auch auf Bundesebene soll der sogenannte Bau-Turbo nach § 246e Baugesetzbuch zusätzliche Möglichkeiten für schnellere Wohnungsbauprojekte schaffen. Doch die Wirksamkeit solcher Reformen entscheidet sich nicht allein im Gesetzblatt. Sie entscheidet sich auf den Grundstücken, in den Bauämtern und bei den täglichen Abstimmungen zwischen Antragstellern und Behörden.

Baugenehmigung bedeutet nicht automatisch uneingeschränktes Baurecht

Der Fall Abu Rashed macht auch eine rechtliche Besonderheit deutlich. Eine bereits erteilte Baugenehmigung schließt bauaufsichtliche Eingriffe während der Bauausführung nicht aus. Werden sicherheitsrelevante Mängel festgestellt oder genehmigte Bauausführungen erheblich verändert, können Behörden einschreiten.

Die Berliner Bauordnung sieht entsprechende Maßnahmen vor, darunter die Einstellung von Bauarbeiten nach § 79 BauO Bln. Das ist grundsätzlich sinnvoll und notwendig. Baugruben müssen beispielsweise gegen Einsturz und Gefahren für die Umgebung gesichert sein. Gleichzeitig müssen behördliche Anordnungen auf einer tragfähigen rechtlichen und tatsächlichen Grundlage beruhen.

Ob dies beim konkreten Bauvorhaben an der Heerstraße der Fall ist, lässt sich ohne Einsicht in die vollständigen Genehmigungsunterlagen, technischen Nachweise und die behördliche Stellungnahme nicht abschließend beurteilen.

Was Berlin jetzt braucht: Weniger Reibungsverluste zwischen Bauherren und Verwaltung

Der Wohnungsbau benötigt verlässliche Regeln. Die Erfahrungen zahlreicher Projektentwickler zeigen aber auch, dass die praktische Umsetzung entscheidend ist. Besonders wichtig sind verbindliche Ansprechpartner, frühzeitige Abstimmungen, transparente Verfahrensstände und die möglichst gebündelte Prüfung von Anforderungen.

Ein Bauherr sollte rechtzeitig erfahren, welche Unterlagen für den nächsten Verfahrensschritt erforderlich sind. Ebenso müssen Sicherheitsbedenken frühzeitig angesprochen werden, soweit dies möglich ist. Das würde nicht bedeuten, Umwelt-, Sicherheits- oder Nachbarschaftsschutz aufzugeben. Vielmehr ginge es darum, gesetzliche Anforderungen effizienter und berechenbarer umzusetzen. Für die Hauptstadt ist das eine wirtschaftspolitische Aufgabe von erheblicher Bedeutung.

Fazit: Ein virales Video und eine grundsätzliche Frage an Berlin

Kenan Abu Rashed hat mit seinem Video eine Debatte angestoßen, die weit über sein eigenes Grundstück hinausreicht. Die öffentliche Aufmerksamkeit zeigt, wie groß das Interesse an der Frage ist, weshalb Bauprojekte in Deutschland trotz Wohnraumbedarfs und politischer Reformankündigungen häufig nur langsam vorankommen.

Der konkrete Baustopp muss anhand der tatsächlichen Sicherheitslage und der rechtlichen Vorgaben beurteilt werden. Der zeitliche Zusammenhang mit dem Protestvideo ist für sich genommen kein Beweis für ein Fehlverhalten der Verwaltung. Unabhängig davon bleibt eine berechtigte wirtschaftspolitische Frage:

Wie kann Berlin private Investitionen in den Wohnungsbau fördern, wenn Genehmigungs- und Abstimmungsprozesse für Bauherren nur schwer kalkulierbar sind? Die Antwort entscheidet mit darüber, ob neue Wohnungen entstehen und ob Unternehmer künftig weiter in der Hauptstadt investieren.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. Kenan Abu Rashed, Instagram-Profil mit veröffentlichten Videos – persönliche Darstellung des Bauprojekts und des Baustopps im Oktober 2026.
  2. Berliner Wirtschaft – Thomas Groth und sein Rückzug aus dem Berliner Wohnungsbau.
  3. GSK Stockmann – Übernahme des Wohnquartiers Neulichterfelde, 27. August 2026.
  4. Senatsverwaltung Berlin – Schneller-Bauen-Gesetz.
  5. Senat Berlin – Gesetz für einfaches Bauen, 12. Mai 2026.
  6. Berliner Bauordnung – geltende Rechtsvorschriften.
  7. Bundesregierung – Bau-Turbo für mehr Wohnungen.

Redaktioneller Hinweis:

Die Angaben des Unternehmers zum Einzelfall beruhen auf seinen öffentlichen Darstellungen. Eine unabhängige technische und rechtliche Überprüfung der Baustopp-Anordnung liegt der Redaktion nicht vor. Die zuständige Behörde wurde in den vorliegenden Informationen nicht mit einer eigenen Stellungnahme dokumentiert.

Comments

comments

Berlin

Weiterlesen

Alle Beiträge →

Newsletter

Berlin und die Wirtschaft in einem Brief

Die wichtigsten Geschichten aus Berlin, Deutschland und der Wirtschaftswelt — kompakt im Postfach.

Jederzeit abbestellbar. Kein Spam.