Reportage
Unbekannte fackeln Auto einer linken Aktivistin ab
Unbekannte haben in Berlin-Neukölln das Auto einer linken Aktivistin abgefackelt. Nach Ansicht des Neuköllner Chefs der linken Organisation „Falken“ Tim Haverland muss es sich bei den Tätern um Nazis handeln. Doch man werde sich nicht einschüchtern lassen.

Die Serie von Brandstiftungen gegen linke Aktivisten in Berlin-Neukölln geht weiter. Am frühen Mittwochmorgen zündeten Unbekannte in der Hufeisensiedlung im Stadtteil Britz das Auto einer Frau an, die in der Flüchtlingshilfe und bei der Initiative „Hufeisern gegen Rechts“ aktiv ist.
Ein Anwohner alarmierte laut Polizeiangaben gegen 2:15 Uhr die Feuerwehr in die Straße Hanne Nüte. Er hatte die Flammen an einem Chrysler Voyager aufsteigen sehen. Einsatzkräfte löschten den Brand. Der Pkw brannte vollständig aus. Menschen wurden nicht verletzt.
Da die Polizei Berlin eine politische Tatmotivation derzeit nicht ausschließen kann, führt der Polizeiliche Staatsschutz beim Landeskriminalamt die Ermittlungen. Wegen der linken Aktivitäten des Opfers kommen als Täter offensichtlich Rechtsextreme infrage.
„Auch diesmal ist die Handschrift auch dieses Anschlags eindeutig rechtsextrem: Feige, nachts, gegen aktive Falken“, zitiert die Berliner Zeitung Tim Haverland, den Chef der Neuköllner Falken. „Das Ziel der Nazis ist es, uns einzuschüchtern. Aber das Gegenteil ist der Fall.“
Seit einem Jahr erschüttert eine Serie von Brandanschlägen, Sachbeschädigungen und an Hauswände gesprühten Bedrohungen den Süden Neuköllns. Auch das Anton-Schmaus-Haus, der Sitz der Falken, wurde schon mehrfach Ziel von Brandanschlägen.
Am 9. Februar hatte das Auto einer Galeristin gebrannt, welche die antirassistische Galerie „Olga Benario“ betreibt und sich in der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes / Bund der Antifaschisten engagiert.
Am 23. Januar wurde in Rudow das Auto eines Buchhändlers angezündet. Es war schon der zweite Anschlag auf ihn. Im Dezember wurde eine Scheibe seines Buchladens „Leporello“ eingeworfen. Er engagiert sich in der Initiative „Neuköllner Buchläden gegen Rechtspopulismus und Rassismus“.
Am 14. Januar war das Auto von Mirjam Blumenthal ausgebrannt, die im SPD-Vorstand für Strategien gegen Rechts zuständig ist. Nach ihrer Zählung ist der jüngste Brandanschlag die 45. Attacke seit August vergangenen Jahres. „In politische Bildung und Demokratiearbeit muss dringend mehr investiert werden“, sagte sie am Mittwoch.
Beim Staatsschutz wurde inzwischen eine spezielle Sonderkommission gegründet. Zwei Beamte des Polizeiabschnitts 56 befassen sich ebenfalls mit den Anschlägen. Ermittelt wurde bisher kein Verdächtiger.
Ebenfalls in der Nacht zum Mittwoche wurde auch in der Fichtestraße in Berlin-Kreuzberg ein Auto angezündet. Die Täter benutzten Brandbeschleuniger. An dem Mercedes Vito soll ein Antifa-Sticker geklebt haben. Auch hier übernahm der Staatsschutz die Ermittlungen.


