Reportage
AfD: Draußen Volksprotest – drinnen Parteitag der Besserverdiener

Draußen zündeten gestern morgen vor Beginn des AfD-Bundesparteitages Kapuzenmänner 27 Reifen auf der Bundesstaße 27 zum Stuttgarter Messegelände an, warfen vor der Messehalle Flaschen, schossen Leuchtraketen ab. 1.500 Polizisten hielt 2.000 Demonstranten, darunter 900 gewaltbereite Störer, in Schach, die zum Teil Bauzäune einrannten. 400 wurden festgenommen und am Abend in kleinen Gruppen wieder entlassen.

Drinnen im Internationalen Congresscenter Stuttgart diskutieren seit gestern 2.500 Delegierte der Alternative für Deutschland ihr neues Bundesparteiprogramm. Themen sind unter anderen Stromkosten, Flüchtlinge, Islam.
Die Afd ist eine Partei der Besservedienenden.
Zu dieser Erkenntbnis kommt eine aktuelle Studie des Insituts der deutschen Wirtschaft Köln, aus der die WELT am Sonntag zitiert.
33,9 Prozent aller AfD-Sympathisanten gehören zum reichsten Fünftel der Bevölkerung, weniger als zehn Prozent der AfD-Anhänger machen sich große Sorgen um die eigene wirtschaftliche Situation.
So sind die Anhänger der AfD weder arm noch ungebildet. So hat nur die FDP deutlich mehr Anhänger unter den Top-Verdienern als die AfD. Union und Grüne haben ähnlich viele gut verdienende Sympathisanten. Aus wirtschaftlicher Not wählen deshalb offenbar die wenigsten die AfD.
Kein Vergleich zur NPD
Damit unterscheidet sich die Wählerschaft der AfD fundamental von den Wählern der NPD. Nur vier Prozent der Anhänger der rechtsextremen Partei zählen zum reichsten Teil der Bevölkerung, während 31 Prozent zum einkommensärmsten Fünftel der Bevölkerung gehören. Bei der AfD kommen gerade einmal halb so viele, 15 Prozent, aus der unteren Einkommensschicht. Das Bildungsniveau der AfD-Anhänger ist entsprechend überdurchschnittlich.
Reich und Arm eint die Angst vor Zuwanderung
Die Angst vor Zuwanderung ist in allen Bevölkerungsschichten verbreitet. Die AfD ist damit keine Protestbewegung einer abgehängten unteren Schicht. Stimmt der Befund des IW Köln, bedeutet das auch, dass Rezepte wie das von SPD-Chef Sigmar Gabriel geforderte Sozialpaket für die heimische Bevölkerung ins Leere laufen.
Die IW-Studie basiert auf Daten des Soziooekonomischen Panels über Parteipräferenzen im Jahr der Europawahl 2014, die erst jetzt verfügbar sind. Laut den IW-Forschern dürfte sich bis heute aber wenig an der Zusammensetzung der AfD-Anhängerschaft geändert haben.
AfD wird bundesweit wieder drittstärkste Partei
In der Woche ihres Bundesparteitages in Stuttgart bekommt die Alternative für Deutschland mehr Zuspruch: Die AfD schiebt sich erneut an den Grünen vorbei und wird mit 13 Prozent drittstärkste Partei, wie aus eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts für BILD am Sonntag hervorgeht.
Die Grünen verlieren dagegen einen Zähler und erreichen nun zwölf Prozent. Auch in anderen Umfragen hatte die AfD schon einmal vorübergehend vor den Grünen gelegen. CDU/CSU und SPD kommen wie in der Vorwoche auf 33 beziehungsweise 22 Prozent. Linke (neun Prozent) und FDP (sechs Prozent) bleiben ebenfalls unverändert. Auf die sonstigen Parteien entfallen fünf Prozent.


