Reportage
80 Prozent der Migranten kommen ohne Papiere
Nach Angaben der Bundespolizei kommen rund 80 Prozent der Migranten ohne Papiere nach Deutschland. Laut Bundesamt für Migration wird der Familiennachzug noch eine halbe Million Syrer ins Land bringen.

80 Prozent der Migranten ohne Papiere
Von Januar bis April hat die Bundespolizei 114.255 illegale Migranten an der Grenze aufgegriffen. Nach Zahlen der Bundespolizei kamen rund 80 Prozent von ihnen ohne Papiere nach Deutschland. Viele haben zudem gefälschte Dokumente. Mehr als 4.000 eingereiste Personen waren bei der Polizei zur Fahndung ausgeschrieben.
Von Januar bis März fanden die deutschen Grenzbehörden bei den Migranten dieses Jahres 1.306 gefälschte Grenzübertritts-Dokumente, berichtet die Bild. Im gesamten Jahr 2015 hatten die deutschen Polizeibehörden insgesamt 4.973 gefälschte Ausweisdokumente bei illegal eingereisten Migranten gefunden.
Familiennachzug bringt noch 0,5 Millionen Syrer
Aufgrund des Familiennachzugs muss Deutschland laut einer Prognose des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (Bamf) mit einer halben Million zusätzlichen Flüchtlingen rechnen. Es handle sich vor allem um Ehegatten, Kinder oder Eltern unbegleiteter Minderjähriger aus Syrien, berichtet die Süddeutsche Zeitung.
Es sei damit zu rechnen, dass für jeden anerkannten syrischen Flüchtling im Durchschnitt ein Angehöriger dazukommt. Laut Ankunftsstatistik des Bamf kamen im vergangenen Jahr etwa 428.000 Syrer nach Deutschland. In den ersten fünf Monaten dieses Jahres waren es knapp 72.000.
Daher werden 500.000 zusätzliche Syrern erwartet. Die Bamf-Experten widersprechen damit anderen Prognosen, die eine Verdreifachung oder Vervierfachung der Flüchtlingszahl durch den Familiennachzug voraussagen.
Asylanträge vor dem Wahlkampf schnell abarbeiten
Aktuell arbeiteten im Bundesamt für Migration und Flüchtlinge 7.100 Mitarbeiter. Die Zahl der noch nicht entschiedenen Anträge ist im Mai auf insgesamt 460.000 gestiegen. Zudem haben nach Schätzung des Bamf knapp 300.000 Migranten ihren Asylantrag noch nicht gestellt.
Bamf-Chef Frank-Jürgen Weise will den Stau bei den Asylanträgen schnell abarbeiten. „Wenn ich rechne, dass jeder Entscheider zwei Entscheidungen pro Tag macht, ist das Ende des Jahres alles bearbeitet“, sagte er am Dienstagabend im Nürnberger Presse-Club.
Dies sei die Aufgabe der Politik an ihn gewesen, dass „der Rückstand nicht ins Wahljahr getragen wird“, zitiert ihn die FAZ. Von den zwischen 2013 und 2015 nach Deutschland gekommenen Menschen sei knapp eine Million hier geblieben. Etwa zwei Drittel davon hätten einen Anspruch auf Asyl. „Das ist eine Belastung für die Gesellschaft, aber das ist verkraftbar.“


