Reportage
Mit Stühlen, Feuerlöschern und Gürtel: Schwere Prügeleien in 3 Asylheimen Berlins

Am Wochenende rückte die Polizei zu zwei Massenprügeleien nach Tempelhof und Hakenfelde und zu einer schweren Körperverletzung in eine Flüchtlingsunterkunft nach Kreuzberg aus.
Wegen eines Streits an der Essensausgabe, bei denen Wachleute Familien voneinander getrennt haben sollen, kam es am Sonntag-Nachmittag (29. November 2015) im mit 800 Flüchtlingen belegten Asylheim im Hangar des ehemaligen Berliner Zentralflughafens in Berlin-Tempelhof zu einer Massenprügelei unter den Flüchtlingen, bei der laut Beobachtern 200 Flüchtlinge mit Stühlen aufeinander losprügelten.
Der Heimbetreiber habe die Polizei gerufen, während sich der Sicherheitsdienst um Ordnung kümmerte. Die Polizei setzte 120 Beamte ein. Die Gewerkschaft der Polizei teilte auf Twitter mit, es seien zwei Wachleute verletzt und 14 Flüchtlinge festgenommen worden. Auch ein Asylant sei verletzt worden. Es war schon die zweite Massenprügelei innerhalb von 24 Stunden.
Am Abend zuvor gab es gegen 22:40 Uhr eine Massenschlägerei in einem mit 1.000 Asylanten belegten Asylheim in Spandau Hakenfelde, bei der Asylanten mit Feuerlöschern aufeinander eindroschen.
Etwa 80 Polizisten waren Samstagnacht nötig, um die Lage in dem Spandauer Flüchtlingsheim in der Mertensstraße zu beruhigen.
Laut Feuerwehr wurden sieben Menschen verletzt.
Mithilfe von Sicherheitsmitarbeitern konnte ein Unruhestifter ausfindig gemacht und anschließend festgenommen werden. Als sich die Polizisten nach Beruhigung der Lage aus dem Objekt zurückzogen, kam es wiederholt zu einer Schlägerei in einer großen Menschenmenge.
Dabei wurden Fenster zerstört, Sitzgarnituren umhergeworfen und Feuerlöscher entleert. Durch die Staubentwicklung aus den Feuerlöschern verunsichert verließen etwa 500 Menschen das Objekt in Richtung Mertensstraße, weil sie in Panik dachten, ein Feuer sei ausgebrochen. Dabei wurden auch einige Bewohner verletzt.
Die Feuerwehr kümmerte sich um die Verletzten. Schließlich konnten alle gegen 0.20 Uhr wieder in die Gebäude zurück. Es wurden Ermittlungsverfahren wegen wechselseitiger Körperverletzung und Landfriedensbruchs eingeleitet.
Am selben Abend (28. November 2015) gegen 20 Uhr gab es einen dritten Prügelvorfall in der Aufnahmeeinrichung in der Müllenhoffstraße in Kreuzberg.
Nach bisherigen Ermittlungen sollen dort ein 18- und ein 17 –Jähriger in Streit geraten sein, in dessen Verlauf der Ältere mit einem Gürtel auf den Jüngeren einschlug und ihn dabei am Hinterkopf verletzte. Als ein Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes sich zwischen die beiden Kontrahenten stellte, zerschlug der zuvor Geschlagene eine Flasche und soll damit den Schlichter bedroht haben. Nach einer kurzen Drohgebärde soll er aber dann wieder von ihm abgelassen haben. Der 17-Jährige wurde mit einer Kopfplatzwunde von alarmierten Rettungskräften zur ambulanten Behandlung in ein Krankhaus gebracht. Gegen den 18-Jährigen wird nun wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung ermittelt.
Innensenator Frank Henkel (CDU) sprach von einem bedrohten sozialen Frieden und reagierte scharf auf die Vorfälle: „Diese Rechtsbrüche sind unerträglich und nicht hinnehmbar. Es gibt Regeln in unserem Land. Wer sich nicht daran hält, für den gibt es bei uns auch andere Unterkünfte. Mit verriegelten Türen und Fenstern“, erklärte er gegenüber der Berliner Morgenpost. Mit der steigenden Zahl von Massenunterkünften stiegen auch die Spannungen, so Henkel.


