Reportage
„Wir sind das Volk!“ – 100 Sachsen blockieren Bus mit Migranten

Am Donnerstagabend stellten sich Demonstranten in Sachsen einem Bus mit Migranten in den Weg. Rund 100 Menschen riefen immer wieder „Wir sind das Volk“ und hinderten den Reisebus daran, in die Einfahrt der neuen Aufnahmeeinrichtung in Clausnitz einzubiegen.
Erst etwa zweieinhalb Stunden später lösten etwa 30 Polizeibeamte die friedliche Demonstration wieder auf, und die Migranten konnten ihre Unterkunft in Clausnitz doch noch beziehen – wenn auch mit einer leichten Verspätung. Die Demonstranten hatten die Einfahrt mit drei Autos blockiert.
Bus mit Migranten kommt schließlich durch
Der Tagesspiegel berichtet, dass die Demonstranten die Migranten angepöbelt haben sollen. Gegen 22 Uhr konnten die Migranten ihre Unterkunft beziehen, und nach Angaben der Polizei ist es zu keinen weiteren Vorfällen gekommen. Auch Festnahmen habe es nicht gegeben. Man habe lediglich die Personalien einiger Demonstranten aufgenommen.
Die Polizei Sachsen sagte, dass es in einem Fall auch zu einer konkreten „verbalen Bedrohung einer Person“ gekommen sein soll. Sie ermittle nun wegen möglicher Straftaten und Ordnungswidrigkeiten.
Migranten hatten Angst
Ein Sprecher der Polizei sagte am Freitag, dass auch Verstöße gegen das Versammlungsgesetz geprüft werden. Insgesamt seien zwei Anzeigen durch die Polizei in Bearbeitung. Das vorhandene Videomaterial werde noch auf weitere Straftaten hin überprüft. „Die Bus-Insassen hatten Angst“, sagte eine Sprecherin der Polizei.
Der Sächsische Innenminister Markus Ulbig sagte: „Anstatt wenigstens den Versuch zu unternehmen, sich in die Situation der Flüchtlinge zu versetzen, blockieren einige Leute mit plumpen Parolen den Weg von schutzsuchenden Männern, Frauen und Kindern.“ Spiegel Online nennt die Demonstranten einen „aufgepeitschten Mob“.


