Reportage
Vermieter erwarten gute Geschäfte mit Flüchtlingen
Wenn dieses Jahr hunderttausende Flüchtlinge in Deutschland Asyl erhalten, dann haben sie wie alle Hartz-IV-Empfänger das Anrecht auf eine eigene Wohnung. Aufgrund der starken Nachfrage nach Wohnungen erwarten die Vermieter gute Geschäfte.

Nach und nach werden die Asylanträge der Migranten bewilligt, die im letzten Jahr in Massen nach Deutschland kamen. Dann verlassen sie ihre provisorischen Unterkünfte und werden zu normalen Mietern. Als Hartz-IV-Empfänger haben die Migranten dann grundsätzlich Anspruch auf eine Wohnung. Die Mieten müssen von den Gemeinden gezahlt werden.
Vermieter erwarten gute Geschäfte
Aufgrund des knappen Angebots ist zu erwarten, dass die Gemeinden unerwartet hohe Mietpreise werden zahlen müssen. Auch die Heizkosten werden von den Ämtern übernommen. Die Immobilienbranche könnte dabei gute Geschäfte machen. Zudem könnten die Eigentümer von Immobilien dann auch jene Wohnungen vermieten, in die bisher niemand einziehen wollte.
„Da gibt es Wohnungen aus den 60er-Jahren, in denen über Jahrzehnte kaum etwas renoviert wurde. Die sind gar nicht mehr marktfähig und haben im Einkauf vielleicht nur 300 Euro pro Quadratmeter gekostet“, zitiert die Welt einen erfahrenen Manager aus der Dortmunder Wohnungswirtschaft.
„Wer so eine Wohnung jetzt an Flüchtlinge vermietet oder auch an andere Empfänger von Arbeitslosengeld, der lacht sich doch ins Fäustchen. Die Gemeinde muss dann gemäß Sozialmietensatz 5,25 Euro pro Quadratmeter für Schrottimmobilien bezahlen.“
Unterbringung der Flüchtlinge wird teuer für die Gemeinden
Berlin muss 2,2 Milliarden Euro für die rund 120.000 Flüchtlinge bereitstellen, die bis zum Jahr 2017 in der Hauptstadt leben werden, so eine Prognose des Maklerunternehmens Aengevelt. Es müssten dafür 23.000 Wohnungen gebaut werden. Mehrere modulare Unterkünfte aus Containern seien bereits in Arbeit.
Derzeit leben noch viele Flüchtlinge in Erstaufnahmeeinrichtungen oder in Gemeinschaftsunterkünften, obwohl sie längst als Asylbewerber anerkannt sind. Eigentlich könnten sie auf dem freien Wohnungsmarkt nach einer Bleibe suchen. Doch die Unterbringung in regulären Wohnungen bringt enormen Aufwand.
„Die meisten Flüchtlinge können ihre Solvenz nicht erklären, und es gibt Sprachbarrieren“, so Bernd Mesovic vom Verein Pro Asyl. Auch die Anbieter entsprechender Betreuungsdienste bei der Wohnungssuche erwarten gute Geschäfte.
Bundesweit gibt es unterschiedliche Anforderungen an die Wohnungsgrößen. In Berlin müssen zwei Personen mindestens 30 Quadratmeter haben. Der Mietvertrag wird entweder von den Asylbewerbern selbst oder von einem Mitarbeiter der Stadt unterschrieben. In der Regel sind die Mietverträge unbefristet. Die Flüchtlinge haben dieselben Rechte wie andere Mieter.


