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Reportage

Tabakindustrie unbeeindruckt: Schockbilder zeigen keine Wirkung

Von Thomas Breithaupt · · 3 Min. Lesezeit

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Tabakindustrie unbeeindruckt: Schockbilder zeigen keine Wirkung. (Foto: ARD)
Tabakindustrie unbeeindruckt: Schockbilder zeigen keine Wirkung. (Foto: ARD)
Tabakindustrie unbeeindruckt: Schockbilder zeigen keine Wirkung. (Foto: ARD)
Tabakindustrie unbeeindruckt: Schockbilder zeigen keine Wirkung. (Foto: Youtube, ARD)

Rauchen trotz Schockbilder

Die Schockbilder zeigen alles, was man nicht sehen möchte. Verfaulte Körperteile, löchrige Lungen und Kindersärge zieren seit Anfang des Jahres die Tabakprodukte in Deutschland. Die drastischen Warnungen lassen Raucher aber weitestgehend kalt – genauso wie die Tabakindustrie.

Konsumenten haben sich weder beschwert, noch haben sie das Rauchen eingestellt. Die Bilder auf den Zigaretten- und Tabakpackungen hatten so gut wie keinen Einfluss auf die Gewinne der globalen Konzerne. Und trotzdem versuchen Marlboro und Co. die Schockbilder erneut zu verbannen, wenigstens in den Läden sollten Raucher nicht von den schockierenden Grafiken gestört werden, schreibt die Berliner Zeitung.

Raucher bevorzugen Etuis

Nach Einführung der Schockbilder ging der Verkauf von Zigarettenetuis kurzzeitig nach oben. Bei Ebay und Amazon sind manche Etuis sogar schon unter den Bestsellern, dennoch kann man hier nicht von einem Boom sprechen. Man ist sich noch nicht einmal sicher, ob die gestiegenen Verkaufszahlen etwas mit den Schockbildern zu tun haben; es könnte auch schlichtweg gerade in der Mode sein. Die meisten Raucher nehmen die Bildchen einfach hin.

Viele große Tabakkonzerne haben sich mit Händen und Füßen gegen die neue Richtlinie in Deutschland gewährt. Am Ende kamen sie aber nicht gegen den Willen der Politik an. Seitdem suchen sie nach Gesetzeslücken und Schlupflöchern, um vielleicht doch noch um das Drucken der Schockbilder herumzukommen.

Kein Gewinnverlust für Tabakkonzerne

Viel Lärm um nichts. „Es gibt keinen Wirkungszusammenhang zu den Gruselbildern“, so der Bundesverband des Tabakwaren-Einzelhandels. Deutsche Raucher haben ihre Gewohnheit nicht abgestellt und rauchen wie bisher, und das unverfroren. Mit einem unveränderten Umsatz befinden sich die Tabakfirmen in einer stabilen Entwicklung: im zweiten Quartal 2016 betrug der Zigarettenumsatz 4,8 Milliarden Euro.

Zuerst macht einen diese Zahl hellhörig, denn im Vorjahr wurde 11,6 Prozent mehr Umsatz gemacht. Das liegt aber daran, dass im ersten Quartal überproportional viel produziert wurde. Man wollte so viele Schachteln und Tabakverpackungen ohne Schockbilder produzieren, wie möglich.

Anti-Rauch-Verbände verärgert

Während sich die Zigarettenbranche zurücklehnen kann, ärgern sich die Anti-Rauch-Verbände in Deutschland über die geringen Auswirkungen der Schockbilder. Man hatte sich natürlich mehr erhofft, dennoch sei man von dem Ergebnis nicht ganz unzufrieden.

Auch wenn viele Raucher ihr Konsumverhalten beibehalten und zu Etuis greifen, haben die Bilderchen ihren Zweck nicht komplett verfehlt; wenigstens wurde die Aufmerksamkeit verstärkt. Raucher zeigen eine emotionale Reaktion, wenn sie die Bilder sehen. Damit hat man den ersten Schritt einer Suchtbekämpfung erreicht, so Ute Mons, Leiterin der Stabsstelle Krebsprävention des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg.

Man könne von den gedruckten Bildern auch keine schlagartige Besserung erwarten. Eine Sucht kann man nicht einfach über Nacht abschalten, auch wenn das Aufhören für vereinzelte Raucher leichter fällt, als anderen. Mit den Bildern erreiche man vor allem Kinder und junge Erwachsene, was längerfristig zu Erfolgen in der Suchtbekämpfung führen kann.

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