Reportage
Stiftung hilft Lehrern im Kampf gegen rechte Schüler
In Sachsen trainieren Lehrer mithilfe der Robert Bosch Stiftung an ganz konkreten Situationen, wie sie auf rechte Schüler reagieren können. Denn rund 20 Prozent der sächsischen Berufsschüler gelten als rechtsextrem.

Die Robert Bosch Stiftung hat das Programm „Starke Lehrer, Starke Schüler“ gestartet. Dabei lernen Lehrer Gegenargumente kennen, mit denen sie auf rassistische und rechtsextreme Äußerungen von Schülern reagieren können.
In Sachsen läuft das Programm derzeit als Modellprojekt. Doch das Problem sei „überall in Deutschland relevant“, zitiert das Handelsblatt die zuständige Projektleiterin Ottilie Bälz. Daher soll das Projekt später auch in anderen Bundesländern angeboten werden. Partner sind das Institut für Politikwissenschaften der TU Dresden und das sächsische Kultusministerium.
Robert Bosch Stiftung kämpft gegen rechte Schüler
Im Fokus stehen die Berufsschullehrer. „Sie haben die letzte Möglichkeit, auf schulischem Wege an die betroffenen Jugendlichen heranzukommen“, so die Projektleiterin. Die Robert Bosch Stiftung habe bemerkt, dass Berufsschulen derzeit den größten Bedarf hätten.
Mit dem Programm wolle die Robert Bosch Stiftung anhand ganz konkreter Situationen üben, wie Lehrer reagieren könnten, sagt Ottilie Bälz. Bei fremdenfeindlichen oder rechtsextremen Parolen würden die Lehrer häufig aus Unsicherheit schweigen und die Provokationen einfach übergehen.
„Viele wissen nicht, wie sie damit umgehen sollen und sind froh, wenn die betreffenden Schüler den Unterricht nicht weiter stören. Da niemand eine Grenze setzt, werden solche Aussagen und Handlungen immer selbstverständlicher.“
Für manche Lehrer ist der Abschluss das Wichtigste
Der Dresdner Politikwissenschaftler Stefan Breuer sagt, dass viele Lehrer rechtsextreme Einstellungen solange ignorieren, wie sie keine massive Störung des Unterrichtsablaufs darstellen. „Für manche Lehrer ist ein erfolgreicher Abschluss der Schüler das höchste Anliegen.“
Nach Schätzungen sympathisieren in Sachsen etwa 20 Prozent der Berufsschüler mit rechtsextremem Gedankengut. „Man sollte nicht davon ausgehen, dass rassistische Vorurteile und menschenfeindliche Einstellungen von allein verschwinden“, so Politikwissenschaftler Stefan Breuer.
Vor allem Mädchen negativ gegen Flüchtlinge eingestellt
Die Berufsschullehrerin Katrin S. (35) unterrichtet in Leipzig unter anderem Gemeinschaftskunde. Sie geht davon aus, dass die meisten ihrer Schüler Flüchtlingen ablehnend gegenüberstehen. „Es gibt Schüler, die bei Facebook die NPD liken und Flüchtlinge mit Schweinen gleichsetzen.“
Besonders bei Mädchen gebe es eine Abneigung gegenüber Flüchtlingen. „Gerade wenn sie aus Berufen kommen, wo wenig Lehrlingsgeld gezahlt wird und viele Überstunden fällig sind. Sie haben Angst, dass es ihnen künftig noch schlechter geht, und halten Flüchtlingen vor, Geld zu kassieren, ohne etwas zu leisten.“


