Reportage
Islamunterricht an deutschen Schulen soll Terror verhindern
Nach Ansicht von Islamforscher Michael Kiefer ist ein flächendeckender Islamunterricht an staatlichen deutschen Schulen sinnvoll. Denn er könne dabei helfen, eine Radikalisierung junger Muslime zu verhindern.

Islamunterricht an staatlichen Schulen könne dabei helfen, Terroranschläge wie in Würzburg und Ansbach zu verhindern, sagt Michael Kiefer (55). Der Islamforscher lehrt am Institut für Islamische Theologie in Osnabrück.
Es gebe zwar „noch keine wissenschaftlichen Studien dazu, aber viele Hinweise darauf“, dass ein flächendeckender Islamunterricht an staatlichen Schulen in Deutschland gegen Radikalisierung helfen kann, sagte Michael Kiefer im Interview mit SPON.
Der Islamunterricht soll muslimischen Kindern beibringen, ihre Religion kritisch zu reflektieren. Viel spricht dafür, dass radikale Islamisten häufig aus religionsfernen Elternhäusern stammen und wenig Ahnung vom Islam haben. Eine solide religiöse Bildung kann also gegen totalitäre Vorstellungen helfen. […]
Wir haben alle etwas davon, wenn der Islam aus geschlossenen Milieus heraus in den öffentlichen und schulischen Raum kommt. Für Muslime ist es ein Zeichen der Wertschätzung. Und in den Schulen lernen Kinder die Religion der jeweils anderen kennen. Das ist der beste Weg, um Vorurteile und Missverständnisse abzubauen.
Nur 10 Prozent der muslimischen Schüler erhalten Islamunterricht
Der Islamforscher erinnert an das Grundgesetz, welches den Religionsgemeinschaften das Recht auf einen eigenen schulischen Religionsunterricht gibt. Allerdings dürften die Religionsgemeinschaften ihre Lehrpläne nicht selbst gestalten, sondern nur gemeinsam mit den staatlichen Institutionen.
„Der Unterricht wird von ausgebildeten Lehrkräften gemacht, die der Schulleitung und der Schulaufsicht unterstehen“, sagt Michael Kiefer. In Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen funktioniere das gut. „Es gibt wenige Konflikte hinsichtlich des Curriculums“, so der Islamforscher.
Kurzfristig sei ein bundesweiter islamischer Religionsunterricht nicht realistisch. Es gebe noch nicht annähernd genug Lehrer. Derzeit bekämen weniger als 10 Prozent aller muslimischen Schüler islamischen Religionsunterricht.


