Reportage
Das will Martin Schulz als Kanzler sofort anpacken
Zwei Dinge will SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz nach seinem Wahlsieg bei der Bundestagswahl sofort anpacken. Er will die EU stärken und er will durchsetzen, dass Frauen mehr Geld bekommen.

Nach seiner Wahl zum Bundeskanzler im Herbst dieses Jahres will Martin Schulz zwei Sachen „unmittelbar anpacken“. Er will die EU stärken und „eine der größten Ungerechtigkeiten“ abschaffen: „dass Frauen für die gleiche Arbeit weniger verdienen als Männer“.
Teilzeitarbeit könne für Frauen zu einer Falle werden, sagte Martin Schulz. Denn später könnten sie ihre Stundenzahl oft nicht wieder aufstocken. Das wolle er ändern. „Es muss in Deutschland endlich das Recht auf Rückkehr in Vollzeit eingeführt werden“, sagte der SPD-Chef der Bild am Sonntag.
Martin Schulz sprach sich auch dafür aus, die „absurden Schulgelder“ für die Ausbildung in den Pflegeberufen abzuschaffen. Eine Altenpflegerin leiste für die Gesellschaft nicht weniger als ein Unternehmensführer. Deshalb habe sie den Anspruch, „dass sie auch so behandelt wird“.
Ein weiterer Punkt in seinem Kanzlerprogramm solle der Rechtsanspruch auf einen Platz in einer Ganztagsschule sein. „Die Ganztagsschule ist eine Grundvoraussetzung für moderne Bildungs- und Familienpolitik“, sagte der SPD-Kanzlerkandidat.
Für arbeitende Eltern und erst recht für Alleinerziehende sei es schwierig, wenn ihr Kind schon um 13 Uhr aus der Schule komme. „Die Menschen sollen nicht arbeiten, damit sie sich einen Betreuungsplatz leisten können. Sie sollen einen Betreuungsplatz bekommen, damit sie arbeiten gehen können.“
Beim Koalitionsausschuss am Mittwochabend will Martin Schulz gegenüber der Union die Begrenzung von Managergehältern und die Rückkehr von Teilzeit in Vollzeit durchsetzen. Er wird zum ersten Mal an einem Koalitionsausschuss als SPD-Chefverhandler teilnehmen.
„Und wir werden auch die Ehe für alle auf die Tagesordnung setzen“, sagte er im Hinblick auf die Homo-Ehe. Wenn es hier keine Einigung mit CDU und CSU gibt, dann werde die SPD das „ganz sicher zum Thema im Wahlkampf machen“.
Die am Samstag veröffentlichten Zahlen zur aktuellen Emnid-Wahlumfrage zeigen erstmals seit vielen Jahren eine deutliche Mehrheit für Rot-Rot-Grün. SPD, Linke und Grüne haben demnach zusammen 49 Prozent. Die Unionsparteien, AfD und FDP haben zusammen nur 47 Prozent.
- SPD 33 Prozent (+1)
- CDU/CSU 33 Prozent (0)
- AfD 9 Prozent (0)
- Die Linke 8 Prozent (0)
- Grüne 8 Prozent (0)
- FDP 5 Prozent (0)
- Sonstige 4 Prozent (-1)


