Film Review Locarno 2018: Der Apollo von Gaza

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LOCARNO 2018: Der neuste Dokumentarfilm von Nicolas Wadimoff hat die Critics-Woche beim Locarno Film Festival eröffnet.

Film Review Locarno 2018: Der Apollo von Gaza (Bild: Locarno Festival)
Film Review Locarno 2018: Der Apollo von Gaza (Bild: Locarno Festival)

Der Apollo von Gaza

Das Thema des neusten Films von Nicolas Wadimoff, “Der Apollo von Gaza” (gezeigt während der Critics ‘Week beim Locarno-Festival), scheint mit seinem Vorgänger auf dem Festival wenig gemeinsam zu haben (Jean Ziegler, Der Optimismus der Willenskraft) – dennoch ist die Ästhetik, die sie charakterisiert und vereint, unverkennbar. Beide zeigen eine Tendenz, Bilder für sich selbst sprechen zu lassen. Ob ihr volles Potenzial dadurch ausgeschöpft wird liegt im Auge des Betrachters.

Nicolas Wadimoff jagt schon wieder die Geister von Gaza, und diesmal wählt er als Ausgangspunkt eine Bronzestatue aus dem Jahr 200-300 vor Christus. Dies ist eine antike Statue, die wegen ihrer Seltenheit unbezahlbar ist und die ganze Welt wegen ihres Erscheinens atemlos machte. Es ist eine Bronzedarstellung des olympischen Gottes Apollon, der einst über die großartige Stadt Gaza herrschte. Es gibt nur ein Problem: die Statue verschwindet auf mysteriöse Weise. Alles was übrig bleibt, sind Geschichten von denjenigen, die die Statue persönlich zu Gesicht bekamen – der Film ist also eine Aneinanderreihung von einer Vielzahl von leidenschaftlichen Berichten, gepaart mit Fakten, Mythen, Intrigen, aber vor allem mit Hoffnung.

Wadimoff macht sich auf die Suche nach einer Wahrheit, von der er weiß, dass sie unmöglich zu finden ist. Beginnend mit dem Zeugnis eines Fischers, der 2013 die Apollo-Statue zum ersten Mal aus dem Meer an der Gaza-Küste zog, endet die Suche mit Hamas-Milizen und der Regierung selbst.

Obwohl das Erscheinen und Verschwinden mysteriös war, hat die Statue des Apollo von Gaza in dem kriegsgeplagten Land eine dringend benötigte Möglichkeit aufgezeigt, um über die Vergangenheit und über die Gegenwart Gazas mit Würde nachzudenken. Apollo gab Einheimischen die Möglichkeit, Luft zu schnappen und die Kraft zu finden, die Hoffnung auf eine bessere Zukunft zu bewahren, in der das Leben wieder friedlich sein kann – eine Idee, die immer mehr außer Reichweite zu gleiten scheint.

Wadimoffs Film, der von Apollo aus Gaza erzählt, bietet der Stadt ein Porträt dessen, was es noch sein könnte: Stolz, Kultur und Poesie. “Was wir in Not erschaffen, wird die Zeit überdauern”, sagt einer der Befragten, und wir wünschen uns wirklich, dass dies für all diejenigen gilt, die den Mut und die Hartnäckigkeit haben an ihrer Hoffnung festzuhalten.

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