Reportage
Jugendliche töten kleinen Biber mit Böllern

Im Schlosspark in Königs Wusterhausen bewarfen Kinder einen kleinen Biber mit Böllern. Dabei platzte dem erst sechs Monate alten Tier das Trommelfell, und es ertrank jämmerlich. Der Breitschwanz-Nager ist das wohl erste Böller-Opfer dieses Jahres.
Sechs Monate lang hatte das kleine Biber-Weibchen sein Stammrevier an dem idyllischen See im Schlosspark Königs Wusterhausen. Am vergangenen Montag fand die Spaziergängerin Anett H. das tote Tier.
„Da saßen rund zehn Jugendliche am Ufer. Aus der Gruppe flog ein Böller Richtung Enten. Ich bin weiter am Ufer spazieren gegangen. Plötzlich lag dann der tote Biber vor mir“, sagte die 35-Jährige der B.Z.
Die Spaziergängerin rief im Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) an. Doch die IZW-Mitarbeiterin, die kam, konnten nur noch die Leiche des Nagers bergen und untersuchen.
„Der Biber wies zerstörte Trommelfelle auf. Leber und Gehirn weisen eine schockbedingte Stauung in den Blutgefäßen auf“, sagt die Veterinär-Pathologin Dr. Gudrun Wibbelt.
„Das Jungtier muss einer enormen Druckwelle ausgesetzt worden sein. Diese führte zu einem Schock. Da sich das junge Biber-Weibchen zur Zeit des Zwischenfalls im Wasser befand, ist es ertrunken.“
Im Magen des kleinen Bibers fand Gudrun Wibbelt viel klares Wasser. Auch in Lunge und Bronchien befand sich eine Menge Flüssigkeit. Das weibliche Jungtier hatte ein dichtes Fell und war allgemein in einem guten gesundheitlichen Zustand. Ohne den Böller-Angriff hätte es noch lange leben können.
Biber zählen in Deutschland zu den besonders streng geschützten Tierarten. Wer die Tiere fängt, verletzt oder tötet, dem droht in Brandenburg eine Strafe von bis zu 65.000 Euro.


