Reportage
„Ilmtaler Asylabwehr“ wegen Volksverhetzung angezeigt
Beim Karneval in Reichertshausen fuhr ein gebastelter Panzer mit der Aufschrift: Ilmtaler Asylabwehr. Die Macher wurden wegen Volksverhetzung angezeigt.

Der Oberilmtaler Carnevalsverein (OCV) Steinkirchen hat zum 49. Gaudiwurm eingeladen. Mit rund 800 Teilnehmern, 30 Wägen und 40 Fußtruppen in fantasievollen Wägen und Kostümen bieten die gut gelaunten Mitwirkenden ein farbenprächtiges Spektakel auf der 6 Kilometer langen Strecke, so der Verein auf seiner Homepage an.
Mit waren am Samstag auch zwei Brüder aus Petershausen mit ihrem gebastelten Panzer. Der trug nicht nur das Kreuz der Bundeswehr. Sondern auf einer Seite des Panzers stand „Ilmtaler Asylabwehr“, auf der andern Seite stand „Asylpaket III“.
Aufregung wegen dieses Panzers gab es vor Ort kaum, Aufregung gab es erst später und ausschließlich im Internet. Doch der Schauspieler und SPD-Mann Florian Simbeck veröffentlichte ein Foto des Panzers auf Facebook und löste damit eine Welle der Empörung aus.
Florian Simbeck etwa sonnte sich in seiner eigenen moralischen Entrüstung. Er schrieb über die Macher des Karnevalspanzers: „Der lustige Faschingswurm schlängelt sich wieder durch unser Ilmtal (Anmerkung: Bayern, nicht das in Thüringen) und offenbart die Dummheit, Niederträchtigkeit und menschenverachtende Gesinnung einiger Beteiligter.“
Das Telefon des Vorsitzenden der Karnevalsvereins Tobias Winkelmeier hörte nun nicht mehr auf zu klingeln, berichtet die Süddeutsche Zeitung. Doch vorerst bleibt Mitorganisator Konrad Moll noch standhaft: „Wir haben keine Zensur hier beim Faschingszug.“
https://www.facebook.com/flosimbeck/posts/1225797064116757
Ilmtaler Asylabwehr wird angezeigt
Auch die Mutter der beiden Brüder wird Opfer des Shitstorms. Dann steht die Polizei vor ihrer Tür. Jemand hat Anzeige wegen Volksverhetzung gestellt, Beamte fotografieren den Panzer. Nun muss die Staatsanwaltschaft Ingolstadt entscheiden, ob der Karnevalspanzer eine Straftat war.
Der Karnevalsverein und Reichertshausens Bürgermeister Reinhard Heinrich (CSU) haben sich für den Vorfall entschuldigt. „Im Nachhinein würde ich die jungen Leute nicht mehr losfahren lassen“, sagte Konrad Moll dem Donaukurier. Der Bürgermeister sagte: „So etwas ist natürlich nicht tolerierbar und auch nicht mit Fasching zu entschuldigen.“
Den Vorwurf, in Reichertshausen sei rechtes Gedankengut verbreitet, wollen viele Bewohner nicht auf sich sitzen lassen. In wenigen Wochen werden 100 Asylbewerber erwartet, und zwar nicht mit einer Ilmtaler Asylabwehr. Vielmehr haben die Reichertshausener für die Unterbringung und Integration der Asylbewerber schon ein Helferkreis gegründet.


