Goldkauf demnächst ab 50 Gramm nicht mehr anonym

Bundesregierung plant totale Überwachung der Bürger. 2.000 Euro Bargeld maximal …

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Künftig soll der Edelmetallhandel ab einem Wert von 2.000 Euro in Deutschland meldepflichtig sein.

Das bedeutet:

Nach dem Willen der Bundesregierung soll ab 2020 ab 50 Gramm kein Goldbarren mehr als diskrete Geldanlage gekauft werden können Foto: Scheideanstalt.de
Nach dem Willen der Bundesregierung soll ab 2020 ab 50 Gramm kein Goldbarren mehr als diskrete Geldanlage gekauft werden können Foto: Scheideanstalt.de

Gold soll ab nächstes Jahr ab 50 Gramm nicht mehr anonym gekauft werden können, sondern mit Ausweis und Fragen, wie etwa: Wer ist der Wirtschaftlich Berechtigte?

Somit sind entsprechend der Goldpreise in  der Praxis dann nur noch ein Goldstück in der üblichen 1 Unze Größe Feingold (31,1 Gramm) für aktuell 1.346 Euro unterm Regierungsradar zu haben.

Um hier künftiger flexibler zu sein, bietet der bayerische Edelmetallexperte Professor Dr. Uwe Starke, Gründer und Chef des Münchener Goldhandelshauses PARTUMGOLD Deutschland GmbH, ein von der Schweizer SCOREDEX GmbH aus Zürich geprüfter Anbieter, Gold in einer Standardstückelung von 1/4 Unze (7,78 Gramm) ab 337 Euro an.

So könne man sich mit fünf Goldstücken der anonymen 2.000-Euro-Grenze besser nähern.

Die Bundesregierung plant nach Einschätzung von Finanzexperten die totale Überwachung der Bürger.  Fast wie zu DDR-Zeiten, wo nur umgerechnet 445 Euro anonym möglich waren. In der Bundesregierung sollen es nun 2.000 Euro Bargeld maximal sein…

Die Bundesregierung möchte konkret die Änderungsrichtlinie zur vierten EU-Geldwäscherichtlinie um einen Passus ergänzen, der die Bargeldgrenze für den anonymen Erwerb von Edelmetallen um 80 Prozent von bisher 10.000 auf 2.000 Euro absenkt.

Damit geht die Bundesregierung deutlich weiter, als es die EU anlässlich der vierten EU-Geldwäscherichtlinie fordert.

FDP-Bundestagsabgeordneter Frank Schaeffler (50) aus Buende in NRW
FDP-Bundestagsabgeordneter Frank Schäffler (50) aus Bünde in NRW Foto: Bundestag.de

Das geht aus einer Kleinen Anfrage des FDP-Finanzexperten Frank Schäffler (50) aus Bünde in Nordrhein-Westfalen an die Bundesregierung hervor.

Schäffler: “Wie absurd dieser Schwellenwert ist, erkennt man, wenn man die aktuellen Goldpreise beobachtet.”

So könnte der Kauf eines 50 Gramm Barrens, der zur Zeit völlig anonym ab 2.177 Euro zu haben ist, in Zukunft zur Folge haben, dass man seine personenbezogenen Daten aushändigen muss und diese über einen Zeitraum von 5 Jahren gespeichert werden.

Erst 2017 war der Schwellenwert von 15.000 auf 10.000 Euro herabgesetzt worden. Der Gesetzesentwurf, der noch im Bundestag diskutiert werden muss und auch andere Bereiche tangiert, soll ab dem 10. Januar 2020 gelten.

Erinnerungen an die Ostzone unter DDR-Staatschef und SED-Parteichef Erich Honecker werden wach:

Goldbarren musste man sich als DDR-Bürger aus dem Ausland besorgen. Doch nur 10 Gramm Feingold (heutiger Wert 445 Euro) waren dabei anonym zugelassen.

Im grenzüberschreitenden Geschenkpaket- und -päckchenverkehr konnten nach dem Edelmetallgesetz der DDR vom 12. Juli 1973 (GBl. I Nr. 33 S. 338) als Geschenk für den persönlichen Bedarf bis zu 10 Gramm Feingold oder 12 Gramm Zahngold oder 5 Büschel Blattgold genehmigungsfrei eingeführt werden.

Doch warum die Bundesregierung nun ein Goldplating vorantreibt, erschließt sich kaum. Als Plating bezeichnet man die Übererfüllung von EU-Richtlinien auf nationaler Ebene innerhalb der EU.

Wortwörtlich antwortete die Parlamentarische Staatssekretärin Bettina Hagedorn“Zugleich ist im Bereich des Edelmetallhandels von einem erhöhten Geldwäscherisiko auszugehen.”

Doch laut Schäffler handelte es sich nur bei einem Bruchteil der Verdachtsfälle um Straftaten, die im Zusammenhang mit Edelmetallen stehen.

Der FDP-Finanzexperte Schäffler hält den Sonderweg der GroKo (derzeitige Regierungskoalition aus CDU, SPD und CSU) für überzogen: “Eine effektive Geldwäschebekämpfung ist wichtig, doch liegen der Bundesregierung derzeit keine Kenntnisse vor, die solch eine strenge Regulierung des Edelmetallhandels rechtfertigen würden. Die deutschen Gesetzespläne gehen weit über die EU-Vorgaben hinaus. Auf diese Weise wird nur unnötige Bürokratie für die Marktteilnehmer geschaffen.”

In der Antwort der Bundesregierung heißt es weiter, die Herabsetzung des Schwellenbetrages stütze sich auf Erkenntnisse der nationalen Risikoanalyse der Bundesregierung. Danach sei im Bereich Edelmetallhandel ein starker Bargeldverkehr unterhalb des nach bisheriger Rechtslage geltenden Schwellenbetrages von 10.000 Euro zu beobachten.

Marc Friedrich (links) und Matthias Weik aus Baden-Württemberg auf dem Cover ihres neuen Buches "Der größte Crash aller Zeiten", das im Oktober 2019 in die Buchläden kommen soll
Marc Friedrich (links) und Matthias Weik aus Baden-Württemberg auf dem Cover ihres neuen Buches “Der größte Crash aller Zeiten”, das im Oktober 2019 in die Buchläden kommen soll

Bestsellerautor (Der Crash ist die Lösung. Warum der finale Kollaps kommt und wie Sie Ihr Vermögen retten) Marc Friedrich von der Stuttgarter Finanzstrategieberatung Friedrich & Weik Vermögenssicherung sieht das ganz anders. Auf Youtube sagte Friedrich am 16. Juli 2019:

“Also, wir sehen die finanzielle Repression. Die Freiheit wird dem Bürger weiter genommen, aktiv mit Bargeld zu bezahlen.

Und gibt es da wirklich eine Geldwäsche, Kriminalisierung und so weiter? Nein, es geht natürlich um etwas ganz anderes. Es geht um die Orwellsche Überwachung, um die komplette Kontrolle über die Bürger, über die Geldmenge und über das Geldsystem insgesamt. Bargeld ist gepresste Freiheit, das darf man nicht vergessen.”

Griechenland hat eine anonyme Bargeldbezahlobergrenze von 500 Euro, Frankreich und Portugal von 1.000 Euro, Spanien von 2.500 Euro sowie Holland und Italien von 3.000 Euro.

Hat das geholfen? Gerade zu Kriminalerfahrungen aus Italien meint Finanzexperte Marc Friedrich: “Ich habe nirgendwo gelesen, dass die Mafia insolvenz angemeldet hat und nun legalen Geschäften nachgeht.”

Edelmetallspezialist Dominik Lochmann aus Rheinstetten in Baden-Württemberg
Edelmetallspezialist Dominik Lochmann aus Rheinstetten in Baden-Württemberg Foto: Goldankauf.ch

Edelmetallspezialist Dominik Lochmann, Geschäftsführer der ESG Edelmetall-Service GmbH & Co. KG mit Sitz im baden-württembergischen Rheinstetten und CEO der Tochtergesellschaft ESG Edelmetall-Service GmbH in Schänis (nahe Zürich) in der Schweiz warnt auf Goldreporter.de:

“Das neue Gesetz träfe also vor allem Kleinsparer und Menschen, die Edelmetalle als Geschenk zu Hochzeiten, Taufen oder ähnlichen Anlässen kaufen möchten.

Für Goldhändler würde die neue Regelung einen deutlichen Mehraufwand an Bürokratie bedeuten, weshalb mit leicht steigenden Preisen zu rechnen wäre. 

Grundsätzlich sollte jeder mit seinem Geld kaufen dürfen, was er möchte, ohne dass dies sofort dokumentiert und dem Staat mitgeteilt werden muss. Auch wenn das Gesetz auf dem Papier in erster Linie Geldwäsche und Terrorfinanzierung bekämpfen soll, träfe es in der Realität die Falschen. Denn die kriminellen Machenschaften konzentrieren sich inzwischen sicherlich eher auf Kryptowährungen. Goldkäufer dagegen sind in der Regel klassische Sparer, die ihr Vermögen durch Gold diversifizieren möchten.”

Auf die Frage des FDP-Politikers Schäffler, warum sich die Regierung nicht um eine für die gesamte Europäische Union einheitliche Obergrenze bemühe, hieß es, die “rein nationalen Erkenntnisse” böten “keine Grundlage für eine EU-weite Regelung”.

Schäffler schließt aus der Antwort, dass “der Bundesregierung keine Kenntnisse vorliegen, die eine striktere Regulierung des Edelmetallhandels rechtfertigen würden. Entsprechend sollten wir bei der wichtigen Geldwäschebekämpfung keinen nationalen Sonderweg gehen und den Marktteilnehmern nicht unnötig hohe Hürden stellen.”

Finanzexperte Mark Friedrich prognostiziert gar:

“Ich erwarte ein Sterben der Edelmetallhändler. Das Geschäft der Edelmetallhändler wird sich wahrscheinlich online verlagern. Viele werden das Tafelgeschäft einfach nicht mehr anbieten wollen oder können.”

Zum Vergleich das Nicht-EU-Land Schweiz

Die Schweiz erlaubt aktuell anonyme Tafelgeschäfte bis zu einem Betrag vom 25.000 Schweizer Franken (22.832 Euro). Allerdings ist auch in der Schweiz eine Herabsetzung der Obergrenze geplant: “Zum 1. Januar 2020 tritt die neue Grenze von 15.000 CHF (13.699 Euro) in Kraft. Leider geht der Kelch der Bargeldbegrenzung für den Erwerb von Edelmetallen auch nicht an der Schweiz vorüber”, so Christian Brenner, Managing Director der Philoro Schweiz AG.

Erste Rückmeldungen aus Händlerkreisen, welche beispielsweise das Fachportal GOLD.DE erreichten, waren kritisch. Der Ball liegt also bei den Fachverbänden aus der Edelmetall- und Münzbranche, sich weiterhin in die Diskussion einzubringen und entsprechend darauf einzuwirken, was letztlich von diesem Referenten-Entwurf umgesetzt wird.

Die Kleine Anfrage sowie die Antwort der Bundesregierung kann unter folgendem Link eingesehen werden: Meldepflicht beim Kauf von Edelmetallen

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