Reportage
Lehrerin schickt Schüler wegen Jogginghose nach Hause
Eine Lehrerin hat ihren 15-jährigen Schüler Gökmen Tamay Dilekli wieder nach Hause geschickt, weil er sein Referat in Jogginghose halten wollte. Mit dieser Hose würde er auch keine Moschee besuchen, sagte sie.

An seinem 15. Geburtstag besuchte Gökmen Tamay Dilekli wie jeden Tag die Hauptschule in Hagen-Hohenlimburg in Nordrhein-Westfalen. Doch schon um 8:30 Uhr wurde er von dort wieder nach Hause geschickt. Der Grund war die Jogginghose, die nach Ansicht seiner Lehrerin zu leger war.
Gökmen Tamay Dilekli muss sich umziehen
Der Hauptschüler hatte die Jogginghose schon mehrere Male zuvor in der Schule getragen hatte. Doch als Gökmen Tamay Dilekli in der Hose zum Referat kam, reichte es der Lehrerin offenbar. Sie forderte von ihrem Schüler, dass er sich umziehen geht.
Seine Mutter Aysu Dilekli war überrascht, als ihr Sohn plötzlich wieder zuhause auftauchte und ihr berichtete, was geschehen war. Empört rief sie in der Schule an und beschwerte sich bei Schulleiter Nobert Tauchert über die ihrer Ansicht nach ungerechte Bestrafung ihres Sohnes.
So kommt er auch nicht in die Moschee
„Die Hose war nicht schmutzig, die Hose war nicht zerrissen. Es ist eine Hose, wie sie die Jugend heute jeden Tag trägt“, sagt die Mutter der WAZ. Sie ärgert sich vor allem über die Aussage des Schulleiters, dass ihr Sohn mit dieser Hose auch keine Moschee besuchen würde.
Der Schulleiter Norbert Tauchert steht hinter seiner Kollegin, die den 15-Jährigen zum Hosenwechsel nach Hause geschickt habe. „Der Schüler sollte an diesem Morgen ein Referat mit dem Thema ‚Wie verhalte ich mich in einem Bewerbungsgespräch?’ halten.“
Zu so einem Referat gehöre auch eine angemessene Kleidung. „Da kann ich nicht im Schlafanzug kommen“, sagt der Schulleiter der Berliner Morgenpost. Es existiere an seiner Schule aber keine festgeschriebene Kleiderordnung
Seine Schule verfolge das pädagogische Ziel, den Schülern zu vermitteln, wie sie sich im richtigen Leben zu verhalten haben. Und dazu gehöre auch eine angemessene Kleidung. „Dazu wollen wir erzieherisch auf die Mädchen und Jungen einwirken, schließlich geht es um die Zukunft der Schüler.“
Die Bezirksregierung Arnsberg sagte zu dem Vorfall: „Der Schulleiter hat das Hausrecht und kann davon Gebrauch machen, wenn die Kleidung nicht angemessen ist.“ Die Kleiderordnung einer Schule könne nur die Schulkonferenz beschließen, wo Vertreter von Schülern, Lehrern und Eltern sitzen.
Über die Kleiderordnung entscheidet die Schule
Da es in in Nordrhein-Westfalen keine landesweite Vorschrift für Schulkleidung gibt, geht jede Schule anders damit um. Das Gymnasium der Stadt Schmallenberg im Hochsauerlandkreis etwa hat wie die Hauptschule von Gökmen Tamay Dilekli keine Kleiderordnung.
Auch die Kaufmannsschule II hat keine Kleiderordnung. Direktor Thomas Vogl hat beobachtet, dass die Schüler seiner Schule oft im Style ihres Ausbildungsbetriebes kommen. „Man kann erkennen, ob jemand im Einzelhandel oder in einer Rechtsanwaltskanzlei arbeitet.“
Die Hohenlimburger Realschule hingegen hat eine Kleiderordnung, die gemeinsam von Schülern, Eltern und Lehrern erarbeitet worden ist. Die Leiterin der Realschule Im Kley, Dorothee Derksen, sagt: „Flipflops, kurze Röcke oder Jogger – da stellen wir die Frage an die Schüler, ob sie so zu ihrem Ausbildungsbetrieb gehen würden.“
Grundsätzlich sehe ihr Kollegium die aktuelle Mode aber nicht so streng, aber auf die Einhaltung der Kleiderordnung werde geachtet, sagt die Schulleiterin. Die Kleiderordnung stehe auf der Homepage der Schule und sei in der Schulordnung festgehalten. „Die Eltern unterschreiben diese bei der Anmeldung ihrer Kinder.“


