Reportage
Flüchtlingskrise stellt Mediziner auf eine harte Probe
Mediziner in Deutschland stehen wegen der Flüchtlingskrise vor massiven Herausforderungen. Migranten aus Eritrea und Afghanistan bringen die Tuberkulose mit. Aus der Türkei und Teilen Afrikas und Arabiens werden lästige Parasiten eingeschleppt.

Wegen der Flüchtlingskrise müssen Mediziner in Deutschland Erkrankungen diagnostizieren, die hierzulande bisher selten waren. Mit der Versorgung der vielen Fremden befasste sich vergangene Woche ein Symposion bei der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten in Hamburg.
Viele der Erkrankungen, die man bei Flüchtlingen diagnostiziert, betreffen den Magen-Darm-Trakt und die Leber. Wenn ein Arzt keine Diagnose treffen könne, so solle man an die Tuberkulose denken, zitiert die F.A.Z. Henning Mothes.
Selbst wenn man einen entzündlichen Verschluss des Darmes vermutet, sollten Operationen bei Verdacht auf Bauchfelltuberkulose tunlichst vermieden werden. Die Experten empfehlen in diesem Fall eine Bauchspiegelung mit einer Biopsie. Dabei werden Proben aus dem veränderten Gewebe des Bauchfells entnommen. Im Labor lassen sich die Erreger dann leichter isolieren.
Tuberkulose in Eritrea und Afghanistan weit verbreitet
Zwar ist die Tuberkulose bei Flüchtlingen aus Syrien nicht häufiger nachzuweisen als bei der deutschen Bevölkerung. Doch bei Migranten aus Eritrea oder Afghanistan ist sie weit verbreitet. Die im Asylgesetz vorgesehene verpflichtende Röntgenaufnahme sei daher bei Syrern oft überflüssig oder sogar von Nachteil.
In der Türkei, manchen Ländern Afrikas und Arabiens ist ein Befall mit dem Fuchs- und Hundebandwurm recht häufig anzutreffen. Der Parasit bildet große Zysten in der Leber aus, deren Entfernung einer besonderen Expertise bedarf. Wenn die Erreger in den Bauchraum verschleppt werden, ist eine Heilung nicht mehr möglich.
Wegen ihrer Gene und Ernährungsgewohnheiten tritt bei Migranten eine oft bedrohliche Erkrankung des Dickdarmes auf, sagt der Chirurg Stefan Post vom Universitätsklinikum Mannheim. Durch den verdrehten Darm ist die Blutzufuhr unterbrochen. Es besteht Lebensgefahr. Nur die rasche Operation hilft. Ärzte im Notdienst sollten die Erkrankung kennen.
Mediziner warnt vor Ansteckung in Flüchtlingsunterkünften
Bei der Hälfte der Krankheiten von Migranten handelt es sich um Infektionen. Nicht selten sind in Deutschland kaum verbreitete Parasiten die Ursache. Eine Gefahr für die deutsche Bevölkerung durch Einschleppung von Erregern bestehe nicht, sagt August Stich, Tropenmediziner der Missionsärztlichen Klinik in Würzburg.
Doch Flüchtlinge und Migranten seien gefährdet, weil sich in den Gemeinschaftsunterkünften Erreger der Influenza und anderer Viruserkrankungen ausbreiten. Die Migranten seien an dieses Keimspektrum nicht angepasst und daher besonders empfänglich.


