Reportage
Deutsche-Bank-Chef John Cryan erwartet Ende des Bargelds
Das Finanzgespräch mit John Cryan war der wohl begehrteste Auftritt am ersten Tag des Weltwirtschaftsforums im Schweizer Davos. Denn der seit vergangenem Sommer amtierende Co-Chef der Deutschen Bank tritt selten öffentlich auf. Doch wenn er sich äußert, dann meist mit kontroversen Ansichten.
Und auch diesmal bot er dem Publikum eine radikale These. „In zehn Jahren wird Bargeld wahrscheinlich nicht mehr existieren,“ sagte der stets ernste und diesmal etwas müde wirkende John Cryan. Bargeld sei „einfach schrecklich ineffizient“, zitiert das Handelsblatt den Deutsch-Bank-Chef.
Doch der Großteil des Publikums schien die These von John Cryan nicht zu teilen. PayPal-Chef Dan Schulman sagte, dass weltweit immer noch 85 Prozent aller Zahlungen mithilfe von Bargeld abgewickelt werden.
Ende des Bargelds ist politisch gewollt
Die Debatte um ein mögliches Ende des Bargelds hat in den letzten Jahren an Fahrt aufgenommen. Denn digitale Technologien wie die sogenannten Krypto-Währungen wie Bitcoin sind in vieler Hinsicht effizienter. Zudem nutzen die Menschen zum Bezahlen lieber Karten oder tätigen Überweisungen online.
Auch einige Ökonomen und Notenbanker fordern ein Ende des Bargelds. Denn wenn es kein Bargeld mehr gibt, so können die Banken negative Zinsen auf Guthaben einführen. Die Bürger könnten dann nicht mehr ins Bargeld flüchten und müssten ihre schleichende Enteignung hinnehmen.


