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Reportage

Campingplatz Tornow: Hunde und Feten erlaubt, aber Kinder verboten

Von Thomas Breithaupt · · 5 Min. Lesezeit

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In Fürstenberg-Tornow befindet sich der 1. Campingplatz Deutschlands, auf dem Hunde und große Feiern, aber Kinder verboten sind (Foto: campingplatz-am-grossen-wentowsee.de)
In Fürstenberg-Tornow befindet sich der 1. Campingplatz Deutschlands, auf dem Hunde und große Feiern, aber Kinder verboten sind (Foto: campingplatz-am-grossen-wentowsee.de)
In Fürstenberg-Tornow befindet sich der 1. Campingplatz Deutschlands, auf dem Hunde und große Feiern, aber Kinder verboten sind (Foto: campingplatz-am-grossen-wentowsee.de)
In Fürstenberg-Tornow befindet sich der 1. Campingplatz Deutschlands, auf dem Hunde und große Feiern erlaubt, aber Kinder verboten sind (Foto: campingplatz-am-grossen-wentowsee.de)

Feten sind erwünscht. Auch Hunde sind nach Absprache erlaubt, sie kosten pauschal 30 Euro. Kinder dagegen sind verboten. Der Campingplatz am Großen Wentowsee in Tornow, 80 Kilometer nördlich von Berlin, ist nach eigenen Angaben: „Erster Campingplatz Deutschlands nur für Erwachsene!“ Kindern unter 14 Jahren ist der Zutritt verwehrt.

Betreiberin Christiane Erdmann aus Tornow, einem Ortsteil der Wasserstadt Fürstenberg an der Havel im Landkreis Oberhavel (Brandenburg), schickt Familien mit Kindern lieber ein Stückchen nördlicher an die Mecklenburger Seenplatte: „So ist etwa der Naturcampingplatz am Ellbogensee ein großartiges Kinderparadies. Am Großen Wentowsee fokussieren wir uns auf erwachsene Gäste.“ Vorbild sei Großbritannien, wo man längst Campingplatze nur für Erwachsene kennen würde.

Mit dem Konzept fülle sie eine Marktlücke, sagte Betreiberin Christiane Erdmann dem rbb-Nachrichtenmagazin „Brandenburg aktuell“. Sie hat den maroden Platz auf einer Zwangsversteigerung erworben und investiert derzeit in die Sanitäranlagen, Wasser- und Stromleitungen.

Im Interview mit dem Sender rbb sagte Betreiberin Christiane Erdmann, sie sei selbst Mutter zweier Kinder, habe aber immer wieder das Bedürfnis nach Ruhe.

„Ich denke, dass auch sehr viele Beziehungen auseinandergehen, weil man sich nur auf die Kinder fokussiert und sich gar nicht mehr so viel Zeit für die Partnerschaft nimmt“, so die Betreiberin weiter. Die Betreiberin will Eltern zu Ruhe und Erholung verhelfen.

Eine Bundesbehörde sieht das ganz anders.

Bei der Antidiskriminierungsstelle des Bundes stieß das Konzept jedoch auf Widerstand. Die Einrichtung teilte „Brandenburg aktuell“ mit: „Wenn Kinder pauschal ausgeschlossen werden, benachteiligt das auch die Eltern, die (…) einen Campingplatz als Familie dann nicht besuchen können. Dann werden auch die Erwachsenen benachteiligt, und zwar wegen des Alters ihrer Kinder.“

Erdmann wies diese Kritik gegenüber dem rbb jedoch zurück: Es gebe in der Region sehr viele Campingplätze – „warum muss man sich da über einen Campingplatz aufregen, wo man dann gerade nicht übernachten kann?“

Nicht der erste Streit um ein Kinderverbot

In den Niederlanden, Österreich oder Großbritannien gibt es tatsächlich bereits Campingplätze mit Kinderverbot. In Deutschland hingegen sorgte laut rbb ein Hotel in Brandenburg, das Kinder ausschloss, für heftige Kritik. Das Hotel Esplanade in Bad Saarow bietet seit November 2015 keine Übernachtungen für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren an und wirbt für sich sich als „Erwachsenenhotel“. Der Hotelbetreiber des Vier-Sterne-Hotels verteidigt sich – und bekommt Rückendeckung vom Tourismus-Verband.

Geschäftsleute statt Kinder

Hoteldirektor Tom Cudok weist den Vorwurf jedenfalls zurück, sein Hotel sei kinderfeindlich. „Wenn Sie Ruhe suchen, für ein Zimmer pro Tag bis zu 350 Euro zahlen, dann geht das im Spa-Bereich nicht mit tobenden Kindern“, erklärte Cudok. Sein Haus wolle sich als „Erwachsenenhotel“ positionieren und auch den Tagungsbereich ausbauen.

Rückendeckung bekommt er dabei von der Tourismus Marketing Brandenburg (TMB). Dort hält man die Diskussion um das Hotel für überzogen. „Es ist nicht das erste seiner Art. Außerdem ist ein klares Profil sehr hilfreich für den Gast“, erklärte eine TMB-Sprecherin. Das Hotel Esplanade sei nicht das erste Hotel in Brandenburg, das diesen Schritt gegangen ist. So nehme ein Hotel in Sommerfeld (Oberhavel) Gäste erst ab 14 Jahren auf.

Bereits rund 40 Erwachsenenhotels in Deutschland

Ähnlich sieht es der Hotel- und Gaststättenverband DEHOGA. „Man sollte akzeptieren, dass sich Hotels eine bestimmte Zielgruppe aussuchen“, sagte der Brandenburger DEHOGA-Hauptgeschäftsführer Olaf Lücke, dem rbb. „Der Trend in  der Hotellerie geht in Richtung Spezialisierung. Deshalb ist es nur zu begrüßen, wenn sich ein Hotel klar zu seiner Zielgruppe und seiner Ausrichtung bekennt.“ Nur wer maßgeschneiderte Produkte anbiete, habe eine Chance, sich auf dem Tourismusmarkt zu behaupten – dies gelte auch im Falle von Erwachsenenhotels, von denen es in ganz Deutschland 40 und weltweit schon mehr als 600 geben soll.

Die Entscheidung des Bad Saarower Hotels geht auf eine Umfrage unter seinen Hotelgästen zurück. Laut Cudok hat das Ergebnis dieser Umfrage zu dem Entschluss geführt, ab 1. November 2015 nur noch Urlaubsgäste ab 16 Jahren zu akzeptieren.

Gerichtsentscheid stärkt Hoteliers

Ist die Neupositionierung des Hotels Esplanade nun Diskriminierung oder unterliegt sie der Vertragsfreiheit des Hoteliers? Das Landgericht Hannover hatte schon 2013 entschieden, dass ein Hotelier nicht verpflichtet sei, mit jedem Verträge schließen zu müssen.

An der Richtigkeit dieser Entscheidung gibt es aber auch Zweifel. „Die Familie ist verfassungsrechtlich besonders geschützt“, sagte Eva Kocher, Professorin an der Frankfurter Europa-Uni Viadrina, dem rbb. „Ich denke, dass die gesellschaftliche Bedeutung der Familie doch so groß ist, dass man auch von Privatunternehmen, die in der Öffentlichkeit stehen, erwarten muss, dass sie das irgendwie integrieren.“ Es spreche daher einiges dafür, auf Familien den Schutzstatus von Behinderten anzuwenden. Das Hotel Esplanade rechnet derweil mit steigenden Buchungszahlen – auch wenn Familien mit Kindern künftig draußen bleiben müssen.

Die Meinung der Camper über das Kinderverbot auf dem 1. Erwachsenen-Campingplatz Deutschlands ist geteilt.

Anja (23) schrieb gestern ins Online-Gästebuch: „Endlich mal ein Platz, wo man in Ruhe Urlaub machen kann. Super!!!“

Markus (22) meint: „Ich hoffe, dass Sie nicht mehr viel Besuch bekommen! Waren Sie nicht selbst mal Kind?! Manch ältere Meckerköppe sind schlimmer als ein bissl Kinderlärm. Ein Glück,  dass die Masse nicht so denkt wie Sie!!! Ich wünsche Ihnen wenig Erfolg damit……..“

Gefeiert werden darf auf dem Campingplatz am Großen Wentowsee ausdrücklich.

Mit der Ruhe ist es aber auf dem Campingplatz nicht weit her. Christiane Erdmann vermarktet den Campingplatz auch für Events wie Hochzeiten, Geburtstagsfeiern oder Firmenjubiläen. „Das Grundstück eignet sich hervorragend für Anlässe im und auf dem Wasser! Wir haben Platz für mehr als 500 Personen.“ Ob das den Dauercampern des 1. Erwachsenen-Campingplatzes gefällt, die bis zu 1.200 Euro Grundgebühr für ihren Platz zahlen?

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Thomas Breithaupt

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