Reportage
Asylverfahren dauern erneut noch länger
Die Bearbeitungsdauer für Asylverfahren ist im zweiten Quartal erneut deutlich gestiegen. Die Linkspartei macht nun einen radikalen Vorschlag, damit Asylbewerber nicht mehr so lange warten müssen.

Eigentlich wollte die Bundesregierung die Asylverfahren beschleunigen. Doch tatsächlich ist die Bearbeitungsdauer beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) zuletzt nicht gesunken, sondern deutlich gestiegen.
Im zweiten Quartal dauerte es durchschnittlich 7,3 Monate, bis das BAMF über einen Asylantrag entschieden hatte, berichten die Zeitungen der Funke-Mediengruppe unter Berufung auf eine Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linksfraktion. Ein Trend scheint erkennbar:
- Viertes Quartal 2015 – Bearbeitungsdauer 5,1 Monate
- Erstes Quartal 2016 – Bearbeitungsdauer 6 Monate
- Zweites Quartal 2016 – Bearbeitungsdauer 7,3 Monate
Welche Asylverfahren dauern am längsten?
Besonders lange dauern die Asylentscheidungen bei unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen. Laut Bundesinnenministerium lag die Bearbeitungszeit im zweiten Quartal bei durchschnittlich 10,1 Monate.
Zudem ist die Zahl der „Altfälle“ erneut gestiegen. Dies sind Fälle, die seit mehr als 18 Monaten auf ihren Asylentscheid warten. Zum Ende des erstens Quartals 2016 waren es noch 55.341 Personen, am Ende des zweiten Quartals bereits 60.291.
Eine Sprecherin des BAMF sagte zu den ernüchternden Zahlen, dass derzeit die besonders schwierigen Asylfälle bearbeitet würden. Doch sobald diese Altfälle abgeschlossen sind, werde die Verfahrensdauer „deutlich sinken“. Anträge, die seit Juli 2015 gestellt wurden, würden schon jetzt in durchschnittlich nur 3,8 Monaten bearbeitet.
Ursprünglich hatte BAMF-Chef Frank-Jürgen Weise das Ziel ausgegeben, die durchschnittliche Bearbeitungsdauer im Jahr 2016 auf drei Monate zu senken.
Linke fordern automatisches Asyl nach einem Jahr
Die innenpolitische Sprecherin der Linksfraktion Ulla Jelpke kritisierte das BAMF: „Das Bundesamt kriegt es nicht hin. Wenn trotz etlicher Neueinstellungen die Asylverfahren wieder länger dauern und sich der Rückstau an unerledigten Verfahren weiter erhöht, ist das ein klares Zeichen von Missmanagement.“
Als Reaktion fordert die Linken-Abgeordnete ein vereinfachtes schriftliches Asylverfahren bei Flüchtlingen, die sehr wahrscheinlich anerkannt werden sowie eine „Altfallregelung“. Alle Asylbewerber, die seit mehr als einem Jahr auf ihren Bescheid warteten, sollen demnach automatisch anerkannt werden.


