Reportage
Merkel: „Wie soll ich an den Seegrenzen Zäune errichten?“

Die Stimmung bei der CSU-Sitzung in Wildbad Kreuth war eisig. Angela Merkel war nach Bayern gereist und versuchte dort, den CSU-Landtagsabgeordneten ihren Kurs in der Asylpolitik zu erklären, von dem sie in keiner Weise abzuweichen gedenkt.
An den deutschen Grenzen müsse es wirksame Kontrollen geben, hatte Horst Seehofer gefordert. „Wir wollen die Binnengrenzenkontrollen so lange, bis in Europa der Schutz der Außengrenzen funktioniert“, sagte er. Darauf werde die CSU mit Nachdruck hinarbeiten.
Doch dann war die Enttäuschung bei CSU-Chef Horst Seehofer und seinen Parteikollegen groß. Denn die Bundeskanzlerin zeigte „keine Spur des Entgegenkommens“, so Horst Seehofer. Der CSU-Chef schloss jedoch aus, dass seine Partei deswegen die Koalition verlässt.
Auch Angela Merkel war genervt von der Schwesterpartei. Denn während die konkurrierende SPD in der Asylpolitik zu großen Teilen hinter ihr steht, wird sie von der Schwesterpartei CSU teils heftig beschossen.
An den Seegrenzen Zäune errichten
Einen kritischen Einwand der bayerischen Wirtschaftsministerin und Vize-Ministerpräsidentin Ilse Aigner, die Grenzkontrollen forderte, konterte Angela Merkel mit den Worten: „Wie soll ich an den Seegrenzen Zäune errichten?“ Das geht aus dem Sitzungsprotokoll hervor, das der BILD vorliegt.
Die Fronten zwischen den Schwesterparteien bleiben vorerst verhärtet. Sollte die Kanzlerin ihren Kurs nicht ändern, droht der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer mit einer Klage vor dem Bundesverfassungsgericht.


