Berlin Journal

Magazin · Menschen

Reportage

„Halal-Würstchen gehören zur deutschen Leitkultur“

Von Thomas Breithaupt · · 3 Min. Lesezeit

Teilen: X · E-Mail

Aiman Mazyek Halal-Würstchen Leitkultur
Nach Ansicht von Aiman Mazyek gehören auch Halal-Würstchen zur deutschen Leitkultur. (Screenshot: YouTube)

Bei der Feier zum Reformationstag in der evangelischen Kirche von Altdorf hielt Aiman Mazyek eine Rede. Darin sagte der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, dass auch Halal-Würstchen zur deutschen Leitkultur gehören.

Aiman Mazyek Halal-Würstchen Leitkultur
Nach Ansicht von Aiman Mazyek gehören heute auch Halal-Würstchen zur deutschen Leitkultur. (Screenshot: YouTube)

Am Montag bei einer Feier zum Reformationstag in der evangelischen Stadtkirche von Altdorf bei Nürnberg sprach der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek. Er bekam in der voll besetzten Kirche viel Applaus. Die meisten Zuhörer erhoben sich zum Klatschen sogar von ihren Sitzen.

In seiner Rede forderte Aiman Mazyek die etablierten Parteien dazu auf, im Kampf um Wählerstimmen keine „gefährlichen rechtspopulistischen Parolen“ zu kopieren, zitiert ihn die Welt. Diese Forderung richtete er „insbesondere an die konservativen Parteien und hier in Bayern ganz besonders an die CSU“.

Das Konzept von Sündenbockdiskussionen und Abwertungen von Minderheiten gehe nicht auf. Dies sehe man in Österreich, Frankreich, England oder Ungarn. Stattdessen sollten sich die Parteien mit den Rechten klar auseinandersetzen. „Gestalten statt spalten – das muss unser Credo sein“, sagte der Zentralratschef.

„Islamschweinerei am Reformationstag“

Im Vorfeld der Rede von Aiman Mazyek in der evangelischen Stadtkirche von Altdorf hatte es große Diskussionen gegeben. Denn der dritte Bürgermeister der Gemeinde, Johann Pöllot (CSU), hatte den Termin als „Islamschweinerei am Reformationstag“ bezeichnet. Die SPD in Altdorf forderte dennoch seinen Rücktritt.

Später distanzierte sich Johann Pöllot von der „verheerenden“ Formulierung. Er entschuldigte sich sowohl beim verantwortlichen evangelischen Dekan Jörg Breu als auch bei den Muslimen in seiner Gemeinde. Er sei kein Islamfeind und habe „keineswegs den Islam verunglimpfen“ wollen.

Wegen der Äußerungen demonstrierten nach Polizeiangaben etwa 400 Menschen vor der evangelischen Stadtkirche von Altdorf. Der erste Bürgermeister Altdorfs, Erich Odörfer (CSU), sagte: „Altdorf ist bunt und soll es auch bleiben.“ Die Demonstranten jubelten laut. Ihnen gegenüber standen etwa 20 Teilnehmer einer islamfeindlichen Gruppierung.

Aiman Mazyek: Halal-Würstchen gehören zur Leitkultur

Der Chef des Zentralrats der Muslime in Deutschland sagte vor seiner Rede, er nehme die Entschuldigung von Johann Pöllot an. „Was bleibt, ist, dass diese Hasssprache weiter salonfähig gemacht wurde. Sie hat viel Gift reingebracht.“ Er erwarte von den Parteien, sich davon klar zu distanzieren.

Von hochrangigen islamischen Geistlichen und Gelehrten erwarte er, dass sie unmissverständlich Position gegenüber islamistischen Terroristen beziehen, sagte Aiman Mazyek in seiner Rede zum Reformationstag in Altdorf.

„Wir brauchen keine Fundamentalisten, keine Islamisten, eigentlich überhaupt keine -isten. Wir brauchen wieder mehr Menschen, die Gutes tun, und keine Ideologen. Wir brauchen keinen Islam à la Lenin, sondern à la Ghandi.“

Wenn es um die deutsche Leitkultur geht, so denkt Aiman Mazyek dabei an die Werte des Grundgesetzes, an Kant, Goethe und Schiller, an das Wirtschaftswunder, das ohne die Türken nicht zustande gekommen wäre, und auch an die Lehren aus der Schoah. „Dies alles gehört für mich zur Leitkultur. Und von mir aus auch Halal-Würstchen und Oktoberfest.“

Comments

comments

Menschen · Aiman Mazyek · Christen · CSU · Erich Odörfer · Ghandi · Goethe · Grundgesetz · Halal · Halal-Fleisch · Islam · Johann Pöllot · Jörg Breu · Kant · Leitkultur · Lenin · Muslime · Oktoberfest · Schiller · Türken

Weiterlesen

Alle Beiträge →

Newsletter

Berlin und die Wirtschaft in einem Brief

Die wichtigsten Geschichten aus Berlin, Deutschland und der Wirtschaftswelt — kompakt im Postfach.

Jederzeit abbestellbar. Kein Spam.