Reportage
Patienten müssen mehr für Arzneimittel zuzahlen
Im letzten Jahr mussten gesetzlich Krankenversicherte deutlich mehr zuzahlen. Denn immer weniger Arzneimittel sind von Zuzahlungen befreit. Die Apotheker beklagen Verluste und schieben den Schwarzen Peter an die Krankenkassen.

Zuzahlungen in der Apotheke oder beim Therapeuten liegen in der Regel zwischen 5 und 10 Euro je Verordnung. Laut Gesundheitsministerium zahlten Kassenpatienten von Januar bis September letzten Jahres 2,9 Milliarden Euro zu. Das sind 40 Millionen Euro mehr als im Jahr davor.
Den größten Teil der Zuzahlungen kassieren die Apotheken. Von Januar bis September kassierten sie von ihren Kunden auf diese Weise 1,6 Milliarden Euro. Doch die Apotheken wollen die Zusatzbeiträge möglichst gering halten. Denn sie machen weniger Umsatz, wenn ihre Kunden eigenes Geld für Präparate aufwenden müssen.
Daher kritisiert nun der Vorsitzende des Deutschen Apothekerverbands, Fritz Becker, dass die gesetzlichen Krankenkassen ihren Kunden immer seltener die Zuzahlungen ersparen. Die Kassen würden auf Kosten ihrer Versicherten sparen, zitiert die Frankfurter Allgemeine den Verbandschef.
Arzneimittel erhält man in der Apotheke ohne Zuzahlung, wenn der Herstellerpreis mehr als 30 Prozent unter dem Festpreis liegt, den die Krankenkassen festgelegt haben. Doch das ist immer seltener der Fall. Im Januar 2010 gab es mehr als 12.000 Präparate ohne Zuzahlung. Aktuell sind es nur noch 3.706 solche Präparate.
Knapp sechs Millionen Kassenpatienten sind per Gesetz von Zuzahlungen für Arzneimittel und Therapien befreit, weil diese zwei Prozent des Haushaltseinkommens überschreiten. Bei chronisch Kranken dürfen Zuzahlungen sogar nur maximal ein Prozent betragen.


