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Reportage

Soziale Ungleichheit: 62 Personen besitzen soviel wie die Hälfte der Weltbevölkerung

Von Thomas Breithaupt · · 3 Min. Lesezeit

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Im südfranzösischen Badeort St. Tropez fahren die Reichen und Schönen in ihren Jachten vor. (Foto: flickr/ Michael Gwyther-Jones)
Im südfranzösischen Badeort St. Tropez fahren die Reichen und Schönen in ihren Jachten vor. (Foto: flickr/ Michael Gwyther-Jones)
Im südfranzösischen Badeort St. Tropez fahren die Reichen und Schönen in ihren Jachten vor. (Foto: flickr/ Michael Gwyther-Jones)
Im südfranzösischen Badeort St. Tropez fahren die Reichen und Schönen in ihren Jachten vor. (Foto: flickr/ Michael Gwyther-Jones)

Die soziale Ungleichheit nimmt weltweit zu, doch in welchem Tempo die berüchtigte Schere zwischen Arm und Reich auseinander geht, überrascht selbst Experten. Eine aktuelle Oxfam-Studie kommt zum Schluss, dass 62 Personen soviel Vermögen besitzen wie die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung (rund 3,7 Milliarden Menschen). Der Bericht kommt nur wenige Tage vor dem jährlichen Treffen der Superreichen der Welt in Davos. Dort findet vom 20. bis zum 23. Januar das 46. Weltwirtschaftsforum statt, zu dem 2500 Teilnehmer aus 100 Nationen erwartet werden. Neben zahlreichen Polizeieinheiten sollen 4500 Soldaten für die Sicherheit der einflussreichen Teilnehmer sorgen.

Der Oxfam-Studie zufolge nahm das Vermögen der ärmeren Hälfte der Weltbevölkerung in den letzten fünf Jahren um rund eine Billion Dollar ab. Das entspricht einem Rückgang von 41 Prozent. Dabei berücksichtigte Oxfam, dass die Bevölkerung der Erde im selben Zeitraum um 400 Millionen Menschen angewachsen ist. Gleichzeitig wuchs das Vermögen der reichsten 62 Personen um mehr als eine halbe Billion Dollar. Vor allem die Geschwindigkeit, mit der die soziale Ungleichheit anwächst, überraschte die Forscher. Vor einem Jahr prognostizierte Oxfam noch, dass im Jahr 2016 das reichste Prozent der Weltbevölkerung (rund 70 Millionen Menschen) mehr besitzen werde, als die restlichen 99 Prozent (etwa sieben Milliarden Menschen) zusammen. Tatsächlich wurde diese Schwelle bereits 2015 erreicht, ein Jahr früher als erwartet.

Einen Grund für die wachsende Ungleichheit sieht Oxfam in der mangelnden Besteuerung großer Vermögen. Großkonzerne würden ihre Gewinne zunehmend in Steueroasen verschieben. Neun von zehn der weltweit führenden Großunternehmen hätten Präsenzen in mindestens einer Steueroase und die Investitionen von Unternehmen in Steuerparadiesen hätten sich zwischen 2000 und 2014 vervierfacht, so der Bericht. Die Verschiebung von Vermögen in Steueroasen durch reiche Einzelpersonen koste allein die afrikanischen Staaten jährlich rund 14 Milliarden Dollar. Mit dieser Summe ließe sich in Afrika flächendeckend die Gesundheitsversorgung für Mütter und Kinder sicherstellen, so Oxfam.

„Wir leben in einer Welt, deren Regeln für die Superreichen gemacht sind. Nötig ist dagegen ein Wirtschafts- und Finanzsystem, von dem alle profitieren. Konzerne dürfen sich nicht länger aus ihrer Verantwortung stehlen. Sie müssen ihre Gewinne dort versteuern, wo sie sie erwirtschaften. Die Politik muss die Anliegen der Bevölkerungsmehrheit über die Interessen der Superreichen stellen. Sie muss die Steueroasen trockenlegen“, fordert Tobias Hauschild, Referent für Entwicklungsfinanzierung bei Oxfam.

Eine Studie der Weltbank kam erst kürzlich zum Schluss, dass die weltweite Armut in den letzten Jahrzehnten abgenommen habe, berichtet Spiegel Online unter Berufung auf die Forschungsergebnisse. Demnach lebten erstmals weniger als zehn Prozent der Weltbevölkerung von weniger als 1,90 Dollar pro Tag – was von der Weltbank als „extreme Armut“ definiert wird. Es ist das erste Mal seit Beginn der statistischen Erfassung, dass die Zehn-Prozent-Marke durchbrochen wurde. Doch dem Oxfam-Bericht zufolge droht die wachsende soziale Ungleichheit, diese Fortschritte bei der Armutsbekämpfung zunichte zu machen.

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